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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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274 | Dinge – Nutzer – Netze hatten. Das höchste Ideal und die ordnende Instanz blieb das Wissen des einzelnen Kurators um ›sein‹ Museum (vgl. ebd.: 104f.). Als sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Kartei zu den gängigen Werkzeugen des Museumsalltags gesellte, änderte sich hieran nur wenig. Karteien funktionieren zwar modular und lassen sich beliebig rearrangieren, jedoch ist auch die einzelne Karteikarte ein individuelles materielles Artefakt, das immer nur in ei- nem Karteikasten liegen und zur gleichen Zeit nur in einem Verwaltungsablauf ge- nutzt werden kann. Bevor Karteikarten am Computer erstellt werden konnten (und damit faktisch zu Ausdrucken von digital codierten Datensätzen aus Datenbanken wurden) mussten sie von Hand produziert werden ‒ und zwar nach den Maßstäben und Bedürfnissen individueller Kuratoren und ihrer Arbeitsweisen. Insofern blieb auch die Kartei zunächst gleichermaßen Bestätigung wie Werkzeug kuratorischer Autorität. Die Verwaltung von Museumsdingen war vor ihrer Computerisierung eine hochgradig individualisierte Arbeit, die wohl von keinen zwei Verantwortlichen exakt gleich ausgeübt wurde, und darin war sie ein Produkt der Medien, derer sie sich bediente (vgl. ebd.: 105ff.). Der Einzug von Computern in die Arbeitsabläufe von Kuratoren legte erstmals offen, wie lücken- und bisweilen amateurhaft die museale Sammlungsdokumentation vielerorts betrieben wurde und wie sehr sie auf die Bedürfnisse einzelner Ausstel- lungsmacher zugeschnitten war. Projekte wie SELGEM standen dementsprechend nicht nur im Zeichen der Schaffung einer Schnittstelle zwischen kuratorischer Kul- tur- und computerisierter Rechenarbeit, sondern auch in jenem eines »new professi- onalism« an den Museen (vgl. ebd.: 27f.). Digitale Technik kann sich nicht in die kulturellen Sensibilitäten von Museumsleuten einfühlen ‒ sie verlangt nach klar de- finierten und mit unmissverständlichen Eigenschaften ausgezeichneten Objektgefü- gen, wenn sie Kuratoren bei ihrer Arbeit unterstützen soll. Entsprechend ließen sich die existierenden Registrationssysteme nicht einfach in Datenbanken übertragen ‒ Sammlungen mussten komplett neu erschlossen werden, und zwar mit Blick auf die Ansprüche der Software, die zukünftig zu ihrer Verwaltung herangezogen werden sollte. Dieses neue Konzept von Museumsverwaltung fand auch in der zeitgenössi- schen Philosophie einen fruchtbaren Nährboden: Insbesondere der Strukturalismus mit seinem besonderen Interesse an der Rolle von Ordnung und Operationalisierung bei der Produktion von Wissen übte einen Einfluss auf das Bestreben von Museen aus, ihre eigene Funktionsweise bewusst zu reflektieren und ihre Buchführung darauf hin zu optimieren (vgl. ebd.: 29ff.). Zugleich aber brachen diese neuen Ordnungssysteme in vielerlei Hinsicht mit klassischen Modellen kuratorischer Souveränität. Hatten Kuratoren zuvor Exponate so beschrieben, wie sie es im Hinblick auf ihre Ausstellungsarbeit für richtig und sinnvoll hielten, wurde ihnen der Informationswert von Objekten nun gewissermaßen Präskriptiv vorgegeben ‒ von Datenbanksoftwares, die nur sehr begrenzte und hoch- standardisierte Datensätze zu erfassen vermochten. Das MODES-System, das 1987
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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