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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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Virtualisierung und Musealisierung: Skizze eines Spannungsfeldes | 281 noch einem nach publikumsorientierter Didaktik gerecht werden. Sie stellt zwar äl- tere, papiergestützte Inventarisierungsmethoden ebenso infrage wie die Wesensart von Museumsdingen und die Kompetenzbereiche von Kuratoren, nicht aber die In- stitution Museum und ihren Bewahrungsauftrag. Sie ist ein mächtiges und entschie- den eigendynamisches Werkzeug des Museums, aber selbst noch keine Erschei- nungsform des Musealen. Als Autoren wie Glen Hoptman Mitte der 1990er Jahre von ›virtuellen Museen‹ zu sprechen begannen, war damit eine fundamental neue Debatte angezeigt: Es ging nun nicht mehr darum, wie sich Museen sehr allgemein zu ›neuen Medien‹ verhalten sollten, sondern darum, ob das Museumsdispositiv aus dem materiellen Raum in ein digitales Abruf- und Visualisierungssystem transpo- nierbar sei. Dass die Materialität der Museumsdinge dabei auf der Strecke bleiben muss, ist kaum glaubhaft zu bezweifeln. Zwar lässt es sich trefflich darüber spekulieren, wie zukünftige technologische Entwicklungen die Präsentationsmöglichkeiten virtueller Museen erweitern könnten ‒ holografische und haptische Interfaces drängen sich hier geradezu auf ‒ aber die Trägertechnologien virtueller Museen sind augenblicklich das WWW und das heimische deck der Anwender. Die Oberfläche des Bildschirms ist nach wie vor die harte Grenze zwischen Rezipienten und Inhalten von Webange- boten, und dementsprechend muss jede Argumentation für die Möglichkeit virtueller Museen letztlich im Abstrakten ansetzen. Auf der einen Seite muss plausibel gemacht werden, dass beim ›Besucher‹ ein ›Vertrauen‹ in die Authentizität des Dargebotenen hergestellt werden kann, das an jenes heranreicht, das er auch der physischen Insti- tution entgegenbringt. Auf der anderen Seite müssen Modi der Präsentation gefunden werden, welche das epistemische und affektive Erleben im physischen Museum zu- mindest glaubhaft emulieren. Beides verweist letztlich auf Fragen nach den Möglich- keiten und Beschränkungen von Informationsarchitekturen. Diese ausdrückliche Schnittstellenfunktion des Museums zwischen informierten Experten und zu infor- mierenden (und eben nicht nur mit Daten zu versorgenden) Laien erklärt, warum die Museologie die innere Virtualisierung des Museums durch Datenbanksysteme zur Bestandsverwaltung niemals so scharf problematisiert wie ihre äußere, deren Er- scheinungsform das ›virtuelle Museum‹ ist: Leichte Verfügbarkeit von Inhalten auf der Kuratorenseite schafft Möglichkeiten der Artikulation der Experten gegenüber dem Publikum. Auf der Rezipientenseite hingegen macht sie solche Artikulationen schwierig, weil kuratorische Absichten mit ihr leichter unterlauf- oder auch völlig umgehbar werden.
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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