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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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282 | Dinge – Nutzer – Netze 6.4 DIGITALE AUTHENTIZITÄT Dabei ist die Frage nach der Authentizität vielleicht die dringendste, die an das Kon- zept des virtuellen Museums gerichtet werden muss. Zwar ist, wie bereits herausge- arbeitet wurde, die Authentizität als kulturelle Kategorie durchaus nicht gleichbedeu- tend mit Originalität oder gar Echtheit – soweit es aber das Museum betrifft, wird sie traditionell natürlich innerhalb solcher Kontexte gedacht, denn auf dieses Verspre- chen gründet sich ja die Brückenfunktion zwischen An- und Abwesendem, die Mu- seumsdinge erfüllen. Seine Anmutungsqualität erhält das Museumsding aus der (von seiner Anwesenheit im Museumsraum selbst verbrieften) Tatsache heraus, dass es in der Vergangenheit materiell zugegen gewesen ist. In virtuellen Museen sind die ›Dinge‹ indes digitale Objekte und als solche immer nur auf dem Bildschirm präsent, also in Form von Abbildungen. Nun haben digitale Abbildungen ‒ wie bereits herausgearbeitet wurde ‒ einen ganz anderen ontischen Charakter als analoge. Zu diesem gehört vorneweg, dass di- gitale Bilder nun einmal, soweit es den Computer betrifft, keine Bilder sind, sondern Text. Das analoge Bild ist im streng informationstheoretischen Sinne unendlich kom- plex, weil es sich ‒ auch wenn die Informationsästhetik Max Benses anderes behaup- tet ‒ eben nicht in eine endliche Zahl diskreter Zeichen auseinanderdividieren lässt und es keine unteilbar kleine Einheit seiner Oberfläche gibt. Folglich gibt es für ana- loge Bilder (bzw. analoge Objekte im Allgemeinen) kein Äquivalent zur Bibliothek von Babel, deren innere Logik ja daran hängt, dass der letztlich digitale Code der Schrift in seiner nackten Kombinatorik auf den Menschen nicht angewiesen ist. Das absolute Museum, wie es im Musée Napoleon erträumt wurde, ist hingegen grund- sätzlich nur als ein Museum aller existierenden, nicht etwa aller potenziell möglichen Kunst zu denken. Digitale Bilderzeugung indes weicht diese Unterscheidung auf: Die Zahl der Pi- xel, die von einer Bilddatei beschrieben werden können, ist ebenso endlich wie die Anzahl der Farben, die jeder dieser Pixel annehmen kann, und sowohl die zweidi- mensionale Bildschirmkoordinate als auch die Position im dreidimensionalen Farb- kubus lassen sich als Zahlenwerte ausdrücken. Insofern wird eine ›Galerie von Babel‹ mit der Computergrafik bzw. aus deren Funktionsprinzipien heraus durchaus denk- bar. So wie ein Computer Texte erzeugen kann, ohne diese zu ›lesen‹ imstande zu sein, kann er auch Bilder entstehen lassen, die er nicht ›sehen‹ kann ‒ tatsächlich wäre der Vorgang genau derselbe. Macht man also, wie Erkki Huhtamo, den direkten Schritt vom Imaginären ins virtuelle Museum, so tritt man aus einem Museum des- sen, was existiert und was somit kopiert und durch Neukonnotation transfomiert wer- den kann, in ein Museum dessen, was darstellbar wäre und damit eben in eine Flut virtueller Bildlichkeit, in der wir uns ebenso hoffnungslos verirren würden wie Bor- ges᾿ Bibliothekare. So offensichtlich natürlich die ideengeschichtliche Kontinuität
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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