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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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292 | Dinge – Nutzer – Netze Abbildungen umgehen und ihre Authentizität bewerten. Natürlich könnte die Mona Lisa oder American Gothic auch nach dem Babel-Prinzip als zufälliges Ergebnis di- gitaler Kombinatorik entstehen (und genau dasselbe gilt auch für jeden schriftlichen Text, der uns im Netz begegnet), aber erstens ist diese informationstheoretische Prob- lematik den allermeisten Usern wohl bestenfalls peripher bewusst, und zweitens wäre das Netz als Medium kultureller Kommunikation kaum erfolgreich zu navigieren, wenn man tatsächlich durch die Inhalte auf die blanke Technizität der Informations- verarbeitung blicken wollte. Wenn wir im Netz auf kulturell interpretierbare Inhalte stoßen ‒ und tatsächlich stoßen wir ja kaum auf etwas anderes ‒ dann gehen wir nicht davon aus, einen absurden Glücksgriff in der Bibliothek von Babel getan zu haben, sondern davon, dass das entsprechende digitale Objekt unter menschlicher Anleitung und Mitteilungsabsicht entstanden ist. Gerade weil der Computer auf seiner funktio- nalen Ebene völlig kulturfremd agiert, impliziert Verständlichkeit schon aus sich her- aus das Wirken eines menschlichen Autors und damit ein Mindestmaß an Authenti- zität ‒ zumindest soweit es individuelle Webseiten betrifft und nicht die Bezüglich- keiten, die von Suchmaschinen produziert werden. Die praktischen Schwierigkeiten bei der Authentifizierung ergeben sich bei Bearman und Trant vielmehr aus drei an- deren Faktoren, die zwar alle mit den Eigenarten digitaler Technik zusammenhängen, ursächlich aber auf den Menschen zurückverweisen: erstens nämlich aus der niedri- gen Hürde für die Verbreitung von digitaler Information und damit die schiere Da- tenmenge, deren Authentizität es zu bestimmten gilt, zweitens aus der ebenso großen Anzahl von Akteuren, die Daten verbreiten und damit Vektoren der Autorschaft ver- schwimmen lassen, und drittens aus der schon bei Friedrich Kittler akzentuierten Ma- nipulierbarkeit digitaler Daten (vgl. ebd.). Bearman und Trant verweisen darauf, dass im Web von jedem einigermaßen re- levanten Kulturgegenstand zahlreiche Abbildungen kursieren, die sich alle voneinan- der unterscheiden und die typischerweise nicht mit detaillierten Herkunftsinformati- onen versehen sein werden (vgl. ebd.). Diese von ihnen schon 1998 gemachte Fest- stellung lässt sich in Zeiten der Google-Bildersuche natürlich noch viel deutlicher nachvollziehen. Wer hier im Juni 2015 die Worte ›birth of venus‹ eingibt, der erhält einige tausend relevante individuelle Suchtreffer für Boticellis Gemälde, die sich alle in irgendeiner Form voneinander unterscheiden. Abbildungen liegen in unterschied- lichen Auflösungen vor. Der Rahmen wird manchmal mitabgebildet, manchmal nicht. Einige Aufnahmen wurden offenbar direkt am Original mit Digitalkameras ge- macht, andere sind offensichtliche Scans von analogen Fotografien. Die Belichtun- gen und damit die individuellen Farbausprägungen variieren. Einige der gefundenen Bilddateien umfassen das gesamte Gemälde, andere sind Detailansichten und Aus- schnitte. Einige Fotografien zeigen das Bild nicht frontal, sondern seitlich im Kontext seines Ausstellungsraumes in den Uffizi, zuweilen mit davorstehender Touristen- gruppe. Klickt man einige der Suchtreffer an, so stellt man schnell fest, dass nur we- nige dieser Bilder sich auf den Homepages von Museen oder Bildungseinrichtungen
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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