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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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302 | Dinge – Nutzer – Netze eine gebrochene, in der die Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem Einzelgerät einerseits einem scheinbar nicht totzukriegenden Verdacht der Irrealität und der Täu- schung, andererseits einer womöglich völlig überspitzten Erwartungshaltung an die Technologie insgesamt gegenübersteht. Wie die Journalistin Astrid Herbold in ihrer Streitschrift Das große Rauschen pointiert feststellt, sind Digitalisierungsphänomene häufig von extrem optimistischen Fortschrittsversprechungen getragen: Hinter der oberflächlichen Spekulation auf größere Praktikabilität in der Verwaltung und Über- mittlung von Daten stehe die größere Hoffnung darauf, kulturelle und geistige Ent- wicklungen flexibilisieren und beschleunigen zu können, indem man kulturelle In- halte von sperrigen, materiellen Trägern löst. Die Idee der Universaldatenbank sieht Herbold nach wie vor als eine treibende Kraft hinter Virtualisierungsprojekten jed- weder Art (vgl. Herbold 2009: 131ff.). Das Web als solches sei immer noch umgeben vom Nimbus der Möglichkeit, zu einem zugleich absoluten und von aller autorschaft- lichen inhaltlichen Auslese befreiten Wissenssystem heranwachsen zu können, in dem der Leser sich Zusammenhänge nicht länger erarbeiten muss, sondern sie in Vollendung vorfindet (vgl. ebd.: 139ff.). Parallel dazu macht Herbold die interessante und durchaus nachvollziehbare Beobachtung, dass dem von Technikskeptikern und Kulturkritikern immer wieder geäußerten Täuschungsverdacht von den ›digital nati- ves‹ häufig mit einem großen Vertrauen in die Wahrhaftigkeit digitaler Information begegnet werde. Tatsächlich lebe das Web nicht etwa vom Versprechen perfekter Simulation und glaubhafter Sinnestäuschung, sondern vielmehr von jenem authenti- scher zwischenmenschlicher Kommunikation und ›echten‹ Begegnungen im virtuel- len Raum zwischen den Rechnern. Phänomene wie Online-Dating oder die Popula- ritätsexplosionen um Youtube-Persönlichkeiten sind nach Herbold sinnfällige Be- weise dafür, dass das Publikum sich vom Web eben gerade Momente des Echten, des Unmittelbaren und der Aufrichtigkeit verspreche (vgl. ebd.: 81ff.). Computer sind also in all ihrer Gewöhnlichkeit durchaus eine auratische (oder zumindest immer wieder aufs Neue auratisierte) Technologie, und die ihnen zuge- schriebene Besonderheit wird auch im Umgang mit Computern als materiellen Ge- genständen ausgespielt. Menschen übernachten dokumentiertermaßen vor Apple-Ge- schäften, um das jeweils neue iPhone am Veröffentlichungstag erstehen zu können. Case modder versehen ihre für Computerspiele gebauten PCs (die nicht selten als Sportgeräte wahrgenommen werden) mit bunten LED-Leuchten und Gehäusefens- tern, die den Blick auf ihr eigentlich völlig unanschauliches Inneres freigeben. 2013 ergab eine Umfrage der Firma Vuclip, dass 61 % der befragten Männer befürchteten, von anderen Menschen nach Marke und Modell des von ihnen benutzten Handys beurteilt zu werden.8 Computer sind ästhetisierte Statussymbole, in ihrer Gegenständ- 8 Vgl. http://www.pewinternet.org/fact-sheets/mobile-technology-fact-sheet/ vom 19.05.2018.
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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