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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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Virtualisierung und Musealisierung: Skizze eines Spannungsfeldes | 313 Betrachtung von Netzwerken heraus, und zwar ohne Privilegierung ausgewiesen ›so- zialer‹ Netzwerke. Insofern ist die Akteur-Netzwerk-Theorie nach Latour mindestens ebenso sehr Ontologie und Metaphysik, wie sie Soziologie ist (vgl. ebd.). Ein zent- raler Gedanke ist dabei das Durchbrechen der Raummetaphern, innerhalb derer wir üblicherweise über Netzwerke sprechen. Akteur-Netzwerke sind für Latour weder zwei- noch dreidimensional, ja tatsächlich gar nicht in den Kategorien cartesianischer Räumlichkeit zu denken. Stattdessen haben sie so viele ›Dimensionen‹, wie sie Ver- bindungen aufweisen. Und weil ihre Dimensionen nicht räumlich sind, lassen sie sich auch nicht in Regionen, Territorien, Schichten oder Ebenen zerteilen. Die Akteur- Netzwerk-Theorie soll indes solche Beschreibungsformen nicht etwa ausklammern ‒ vielmehr will sie die temporären Effekte begreifen helfen, die wir mit solchen Figu- ren produzieren, ohne sie als ontisches a priori zu akzeptieren. Dazu gehöre unwei- gerlich auch die Einsicht, dass sämtliche Wissenschaften als Disziplinen ebenfalls mit den gesellschaftlichen Netzen verwoben sind, die sie beschreiben wollen ‒ und dass die Rückführung ihrer epistemischen und materiellen Artefakte in diese Netze zwingend erforderlich sei, wenn sie ihrer Aufgabe gerecht werden wollen. Damit geht laut Latour eine Wissensproduktion einher, die sich grob als eine Abkehr vom induk- tiven Denken (das ja Einzelphänomene aus bekannten Regelhaftigkeiten erklären will) und eine Hinwendung zu einer Mischung aus deduktivem und transduktivem erklären lässt, das nunmehr Vielheiten lokal begrenzter Vernetzungserscheinungen ins Zentrum stellt (vgl. ebd.: 3). Während klassische Epistemologien die Abweichung von bekannten Ordnungssystemen als den zu erklärenden Sonderfall betrachten, be- greift die Akteur-Netzwerk-Theorie die raumzeitlich begrenzte Einzelbeobachtung als das tatsächlich ›Normale‹, während die Ordnung den historisch gewachsenen Ausnahmezustand darstellt. Sie will die Lücken zwischen den Orten eines Netzwer- kes ausdrücklich nicht mit vereinheitlichenden Theorien füllen. Insofern agieren hier die Netzwerke nicht mehr innerhalb einer kontinuierlichen Welt, sondern die ganze Welt, wie wir sie kennen und erleben, ist das Produkt von Interaktionen und Bewe- gungen innerhalb von Netzwerken (vgl. ebd.: 3f.). Den besonderen Nutzen des Netzwerkbegriffes sieht Latour dabei darin, dass er eine Topologie von Nähen und Distanzen ermöglicht, die ganz anders funktioniert als jene des physischen Raumes und dabei vielen Gemengelangen weit besser gerecht wird als diese. Als einfache Beispiele führt Latour hier die Tatsachen an, dass ein Mensch, der räumlich direkt neben ihm stehe, ihm doch ferner sein könne als seine 6.000 Meilen entfernte Mutter; dass zwei Rentiere in Alaska zehn Meter voneinander getrennt sein könnten, aber eine zwischen ihnen verlaufende Pipeline ihnen doch jede Paarung unmöglich mache; oder dass sein Sohn und der in der Schule neben ihm sitzende arabischstämmige Klassenkamerad letztlich in sehr verschiedenen Welten aufwachsen werden (vgl. ebd.: 4). Für Latour gibt es in unserem Denken einen kaum zu umlaufenden Konflikt zwischen Geographie und Netzwerk, bzw. genauer zwi- schen der Anschaulichkeit spatialer Verhältnisse und der Abstraktheit tatsächlicher
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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