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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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314 | Dinge – Nutzer – Netze Zusammengehörigkeiten. Die Geographie des kontinuierlichen, physikalischen Rau- mes impliziert ein Verhältnis von Nähe und Ferne, das tatsächlich nicht existiert (vgl. ebd.). Insofern soll die Akteur-Netzwerk-Theorie auch die Trennung zwischen ›Mikro‹- und ›Makro‹-Erscheinungen überwinden, die für die Sozialwissenschaften immer noch bestimmend ist. Ihre qualitative Verschiedenheit soll sich auflösen in der quantitativen der Verdichtung und der Ausdünnung von Bezüglichkeiten in Netzwer- ken. Massen- und Individualphänomene gehören nicht unterschiedlichen Sphären der Analysierbarkeit an, sondern entstehen im selben Netzwerk aus denselben Mechanis- men (vgl. ebd.: 5). Es gibt keine Unterscheidung von globalem und lokalem Blick, weil jede globale Betrachtung die lokale in sich trägt (vgl. ebd.). Somit verschwindet auch ‒ und dies ist für das museale Szenario natürlich beson- ders brisant ‒ jede Möglichkeit, noch die Trennung zwischen innen und außen zu denken. Netzwerke sind, so Latour, »all boundary without inside and outside« (ebd.: 6). Sie haben, so sagt er »keinen Schatten« und sind eine positive Erscheinung, zu der es kein Negativ gibt (vgl. ebd.). Netzwerke kennen dementsprechend auch kein links, rechts, oben oder unten. Jede Verortung kann nur eine relative zu anderen Orten sein. Und an dieser Stelle kommt eben jener ›Akteur‹ ins Spiel, welcher Latours The- orie die Hälfte ihres Namens verleiht. Dieser Akteur ist ganz ausdrücklich keine not- wendigerweise menschliche Person, die sich Handlungsmacht aneignet. Vielmehr ist der Akteur jener, der agiert oder dem von einer anderen Stelle im Netzwerk die Fä- higkeit zum Agieren verliehen wird. Buchstäblich alles kann innerhalb eines Netz- werkes zum Akteur werden, solange von ihm in irgendeiner Form eine Aktion aus- geht (vgl. ebd.). Akteur-Netzwerke, so schreibt Latour, verbinden menschliche und nichtmenschliche Entitäten, verteilen menschliche und nichtmenschliche Charakte- ristiken auf beide, und transformieren dabei laufend sowohl die Akteure, als auch ihre Eigenschaften und die Verbindungen zwischen ihnen (vgl. ebd.: 7). Damit ist die Methodik der Akteur-Netzwerk-Theorie folgerichtig zunächst eine Form von semiotisch vorgehender Diskursanalyse, denn es gilt vorrangig, zu be- schreiben, wie Ordnungen innerhalb von Akteur-Netzwerken ausgehandelt und ge- rechtfertigt werden (vgl. ebd.: 8). Tatsächlich geht Latours Ansatz so weit, alle sozi- alen Tatsachen unserer kulturellen Umwelt ‒ inklusive jeder Technologie ‒ als semi- otische Konstrukte zu verstehen, die es zu kartieren heißt, allerdings weniger in ihrer ›tatsächlichen‹ Beschaffenheit als in den Voraussetzungen ihrer Entstehung und Be- nennbarkeit (vgl. ebd.: 9). Die Akteur-Netzwerk-Theorie will ausdrücklich das, was in digitalen Medien ja ohnehin längst implizite Normalität geworden ist, nämlich eine Aufhebung der Trennung zwischen der Welt und der Sprache, in der wir uns über sie verständigen ‒ und damit auch jener zwischen den Dingen und ihrer Repräsentation. Latour spricht hier von einer »konterkopernikanischen Revolution« (ebd.: 10): Sinn entsteht in Netzwerken nicht unter den Vorgaben einer äußeren Autorität, sondern jedes Netzwerk schafft sich die Voraussetzungen seiner Sinnproduktion völlig de-
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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