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chenen 8bit-Museums) im Zeichen des Mediums Hypertext: Während Multi- und In-
termedialität fest zum Anspruch des Angebotes gehören, bilden lineare, narrative
Texte unverkennbar das Fundament seiner Didaktik. Zugleich begünstigt das Zu-
griffsinterface ›Zeitstrahl‹ ganz klar ein chronologisches Lesen mit gelegentlichen
Exkursen in abzweigende Artikel zu spezifischen Themen. Die ständige Rückfüh-
rung des Nutzers auf Hub-Seiten lässt überraschenderweise für den Leser nicht die
rhizomatische Textstruktur entstehen, die aus der ›Vogelperspektive‹ topgraphischer
Darstellung erkennbar werden würde, sondern vielmehr die eines ›Wurzelbuchs‹. Es
scheint hier eine klare Hierarchisierung von Wissensstrukturen vorzuliegen, die von
innen nach außen und vom Allgemeinen ins Bestimmte funktioniert: vom Zeitstrahl
in die Einzelepochen, von den Epochen in diverse mit ihnen assoziierte Themenbe-
reiche, von diesen zu relevanten Jahreschroniken, Zeitzeugenberichten, Schaustü-
cken usw.
Wilde Semiosen sind offenbar nicht vorgesehen und dürften im durchnarrativier-
ten ›Ausstellungs‹-Bereich der Webseite auch kaum vorkommen. Interessant indes
ist, dass die ›Bestands‹-Datenbank ihre Inhalte nur mit sehr spärlichen Beschreibun-
gen versieht, die meist nicht über eine Datierung und Benennung der Provenienz hin-
ausgehen. Das LeMO verhält sich zu keiner Zeit dazu, ob hinter dieser relativen
Textarmut auf den Objektseiten eine didaktische Programmatik steht – oder ob die
Objektdatenbank schlicht nicht als der Zugang gesehen wird, über den Nutzer zur
Sammlung finden sollen. Es wird sich trefflich darüber streiten lassen, ob hiermit
Freiheitsgrade von Bedeutsamkeit angezeigt sind oder bloße Beliebigkeiten: Es
scheint in jedem Falle keine intime Verwobenheit ihrer kategorialen Ordnung mit
dem pädagogischen Konzept des restlichen LeMO zu geben. Damit erscheint sie in
erster Linie als eine Transparentmachung der Ressourcen und des Verwaltungswis-
sens, aus denen ›Ausstellungen‹ hervorgehen; als ein Blick in Fundus und Kartei
gleichermaßen, und es liegt beim Nutzer, die kuratorischen Absichten zu dekodieren,
die ihren Überführungen in den Ausstellungskontext zugrunde liegen.
7.2.2 Das Virtual Museum of Canada (www.virtualmuseum.ca)
Das bereits an anderer Stelle angesprochene Virtual Museum of Canada geht noch
einen Schritt weiter, indem es überhaupt nicht mehr versucht, Sammlungen zusam-
menzuführen – sondern stattdessen eine Plattform zu sein, auf der existierende phy-
sische Museen Ausstellungen darbieten können. Es geht also ausdrücklich nicht um
eine Öffnung des Fundus für den Besucher, sondern um eine Ausweitung kuratori-
scher Spielräume über Museumswände hinaus. Dies mag überraschen, hatten doch
seine Gründer George MacDonald und Stephen Alsford noch 1997 das Meta-Mu-
seum in Aussicht gestellt und dabei bereits Kernthesen dieser Studie angedeutet:
Dinge – Nutzer – Netze
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Titel
- Dinge – Nutzer – Netze
- Untertitel
- Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Autor
- Dennis Niewerth
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4232-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
- Kategorie
- Medien