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Fallstudien | 347
Der core setzt sich aus drei Komponenten zusammen: der Hardware im Sinne der
Datenzentren und Servernetzwerke, dem content bzw. den konkreten digitalisierten
Inhalten und zuletzt den Metadatensätzen, mit denen diese Inhalte versehen sind. Die
ersten zwei Komponenten bilden gewissermaßen die Grundvoraussetzungen, denen
Europeana zur Erfüllung seiner kulturellen Mission gerecht zu werden hat, nämlich
das Vorhandensein vorzeigbarer digitaler Objekte und mit dem Internet verbundener
Computer, auf denen diese abgespeichert und abrufbar sind. Die Metadaten hingegen
sind laut der Strategy 2020 das entscheidende Alleinstellungsmerkmal Europeanas
gegenüber privaten bzw. kommerziellen Angeboten: Sie nämlich bildeten ein an den
physischen Institutionen beheimatetes Expertenwissen ab, auf das privatwirtschaftli-
che Content-Aggregatoren keinen Zugriff haben, weil sie nicht mit Kuratoren, Bibli-
othekaren, Archivaren usw. kooperieren. Europeana verspricht nicht weniger als in-
stitutionell verbürgte Authentizität, übersetzt in digitale Authentisierungsverfahren:
You might be thinking, ›So what? I can find this material elsewhere on the web via Google,
Flickr or Pinterest.‹ True, but what᾿s unique about our repository is that our metadata describes
the original material, authenticated by reliable, sector experts. Our aim is to become the largest
trusted repository of cultural heritage in Europe as research tells us this is what users want –
unobstructed access to credible, quality material.69
Der core layer soll also nicht nur den technischen und inhaltlichen Unterbau der Un-
ternehmung darstellen, sondern zugleich die Brücke bilden zwischen virtueller Ver-
fügbarkeit und institutioneller Autorität – kurzum, er soll ein Fundament des Ver-
trauens sein und Authentizität auch in einer medialen Umwelt erfahrbar machen, in
der das Publikum eigentlich darauf spekuliert, getäuscht zu werden. Die Allianz mit
den ›realen‹ Einrichtungen garantiert den Anschluss Europeanas an eine bedeutsame
Kulturwelt.
Der access layer hingegen soll nach den Vorstellungen der Betreiber das gemein-
same und für alle Mitwirkenden möglichst faire Forum sowohl der Inanspruchnahme
von Europeanas Inhalten und Diensten als auch des Austausches zwischen Betrei-
bern, Konsumenten und Rezipienten sein ‒ »a ›Commons‹ or place where we have
agreed upon the rules of engagement.«70 Zu dieser Funktion gehören unweigerlich
Softwarestandards ‒ insbesondere in Form des application programming interface
(API), das als Schnittstelle zwischen der Datenbank und Softwares fungiert, die auf
ihre Inhalte zugreifen möchten, aber auch des Open Archives Intiative Protocol for
Metadata Harvesting (OAI-PMH), das von der namensgebenden Open Archives Ini-
tiative entwickelt wurde, um Dienste auf Metadaten aus unterschiedlichen Archivsys-
temen zugreifen lassen zu können. Weitere softwareseitige Bestandteile des access
69 Ebd.
70 Ebd.
Dinge – Nutzer – Netze
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Titel
- Dinge – Nutzer – Netze
- Untertitel
- Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Autor
- Dennis Niewerth
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4232-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
- Kategorie
- Medien