Seite - 359 - in Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Bild der Seite - 359 -
Text der Seite - 359 -
Fallstudien | 359
Parry 2006: 107ff.). Und tatsächlich scheint für das Art Project die Idee einer kritisch-
vergleichenden Betrachtung von Kunstobjekten konzeptuell zentral zu sein: Eines
seiner bemerkenswertesten Features ist ein unscheinbar am unteren Bildschirmrand
positioniertes Feld mit dem Titel ›Vergleichen‹. Dieses öffnet eine Leiste, in die sich
beim virtuellen Flanieren gefundene Objekte hineinziehen lassen, um sie auf einer
eigenen Seite im direkten Vergleich miteinander zu betrachten. Es handelt sich also
um nicht weniger als eine Parallelprojektion von Werken, wie sie ein fundamentales
Werkzeug der Kunstgeschichte darstellt (vgl. Abbildung 7, vgl. Rieger u. Niewerth
2016: 517). Google indes überlässt den Besuchern des Art Project dieses Werkzeug
ohne jede methodische Anleitung und ohne ihnen eine Möglichkeit zu geben, sich
explizit über ihre ›Entdeckungen‹ zu äußern. Paradoxerweise erlaubt die Plattform
ihren Nutzern tatsächlich weniger explizite Kommunikation als der physische Muse-
umsraum.
7.3 VIRTUELLE MUSEEN ALS AMATEURPROJEKTE
Neben der Vision vom Universalmuseum ist die Vorstellung von einer nivellierten
und entprofessionalisierten Museumslandschaft eine der Kernideen der Museumsvir-
tualisierung: Virtuell kann und darf grundsätzlich jeder kuratieren – bedarf es doch
weder eines Ausstellungsraumes noch rarer Originalobjekte, und entsprechend auch
keiner besonderen Sorgfalt und Expertise im Umgang mit letzteren. Die ›wilde‹ Vir-
tualisierung des Musealen durch private Amateurprojekte ist dabei tatsächlich viel
eher Musealisierung des Virtuellen: Zwar borgt sie sich Bezeichnung und Selbstbild
von der klassischen Institution, in ihrer Vorgehensweise ist sie jedoch notwendiger-
weise auf das Web hin ausgerichtet – schon weil die Laien-Kuratoren keinerlei Zu-
griff auf die Bestände ›tatsächlicher‹ Museen haben.
Solche Amateurmuseen leisten vor allem zweierlei. Erstens neigen sie dazu, Ge-
genstandsbereiche zu thematisieren, die üblicherweise nicht Thema physischer Mu-
seumsausstellungen werden würden. Zweitens stellen sie diese Gegenstände auf eine
Art und Weise aus, die sich stark von den Relevanzkriterien und pädagogischen Leit-
linien abhebt, welche die professionelle Museumsarbeit normalerweise bestimmen.
Im Folgenden werden zwei solche Projekte vorgestellt werden: das sich aus Samm-
lerperspektive der Geschichte der Heimcomputer widmende 8bit-Museum, und das
komplett aus einer privaten Sammlung von Amateurkunst entstandene Museum of
Fred.
Dinge – Nutzer – Netze
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Titel
- Dinge – Nutzer – Netze
- Untertitel
- Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Autor
- Dennis Niewerth
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4232-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
- Kategorie
- Medien