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Die Wertschätzung und der Respekt innerhalb der Gemeinschaft werden zur verbin-
denden und motivierenden Währung. Entsprechend ist es, wie Slabihoud berichtet,
immer wieder die peer group der Heimcomputerfans selbst, die ihn auf Plagiate auf-
merksam macht:
Es gibt sogar Spezies, die schlagen »Ihre« Site für den History-Award vor, und ich finde dann
nur eine Kopie meiner, oder einer befreundeten Site, vor. Den wenigsten scheint in den Sinn
zu kommen, dass Sammler sich untereinander kennen und solche URLs weitergeben…138
Zur Authentizität von Amateurprojekten im Bereich der virtuellen Musealität gehört
also offenbar auch der Respekt vor der eigenen Arbeit und der anderer – umso mehr,
weil monetäre Belohnungen gar nicht zur Disposition stehen. Spannend dürfte es in
diesem Zusammenhang auch sein, zu beobachten, ob Slabihoud seine unter den
FAQs geäußerte Absicht umzusetzen imstande sein wird, das Virtuelle zu museali-
sieren: Als Fernziel gibt er an, eines Tages auch seine physische Sammlung der Öf-
fentlichkeit zugänglich machen zu wollen.139
7.3.2 Das Museum of Fred (www.museumoffred.com)
Viel persönlicher noch als das 8bit-Museum präsentiert sich schon in seiner Benen-
nung das Museum of Fred. Bei ›Fred‹ handelt es sich um den in Los Angeles lebenden
Schriftsteller und Filmemacher Fred Beshid, nach eigener Aussage ein »product of
the California public school system and the 1980s Los Angeles punk rock scene«.140
Beshid rief sein Online-Museum im Jahre 2000 mit dem Vorsatz ins Leben, seine
private Kunstsammlung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Be-
zeichnend ist dabei, dass in dieser Sammlung keinerlei Künstler von Rang oder Na-
men vertreten sind – sie besteht gänzlich aus Amateurwerken, die, wie Beshid angibt,
»primarily […] from thrift stores in the greater Los Angeles area« erstanden wur-
den.141
Den FAQs des Museum of Fred zufolge war es zunächst studentische Armut, die
seinen späteren Kurator in die Second-Hand-Läden der Welthauptstadt der Unterhal-
tungsindustrie trieb – und ein generelles Interesse an bildender Kunst, das ihn auf die
dort angebotenen Gemälde aufmerksam werden ließ. Um die Jahrtausendwende habe
ihm dann das Internet erstmals die Möglichkeit gegeben, sein Hobby mit der Welt zu
teilen – und zugleich ein Statement darüber abzugeben, dass Kunst zu wichtig sei »to
138 http://8bit-museum.de/internes/plagiate/ vom 12.11.2015.
139 Vgl. http://8bit-museum.de/internes/fragen-antworten-faq/ vom 12.11.2015.
140 http://museumoffred.blogspot.de/ vom 15.11.2015.
141 http://www.museumoffred.com/about.html vom 15.11.2015.
Dinge – Nutzer – Netze
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Titel
- Dinge – Nutzer – Netze
- Untertitel
- Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Autor
- Dennis Niewerth
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4232-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
- Kategorie
- Medien