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Fallstudien | 369
und eines ›langen Blickes‹ zu würdigen. Letztlich leitet Beshid den Betrachter also
zur wilden Semiose an.
Dabei sind die Beschreibungen der Galerien ganz offensichtlich bewusste Persif-
lagen auf Texte, wie sie üblicherweise in Museumskatalogen und auf Erklärungsta-
feln zum Einsatz kommen würden. Weil die Exponate des MoF keinen erkennbaren
Stilrichtungen oder Schulen zuzuordnen sind, ihre Schöpfer unbekannt bleiben und
sie meist nicht einmal mit Titeln versehen wurden, gibt es keine Faktengeschichte,
die sich ihnen beiordnen ließe – und zugleich verlangen sie in ihrer unmissverständ-
lichen Gegenständlichkeit auch nicht nach Erklärung und Interpretation. Beshid staf-
fiert sie dementsprechend nur mit (zuweilen humorigen) Gemeinplätzen aus. Zur
Tiergalerie heißt es:
In this gallery, we find artistic interpretations of wild animals in natural settings.
Artists have been fascinated with wild animals for thousands of years as evidenced by ancient
cave paintings.153
Der den Haustieren vorgeschaltete Text lautet:
Artists choose subjects they are passionate about so it᾿s not surprising to find portraits of cher-
ished pets. It is interesting that pets are often rendered in human-like poses.154
Indes finden sich hier durchaus auch erhellende Aussagen. So schreibt Beshid über
seine Auswahl von Bootsdarstellungen:
As we can see from these paintings the lore of the sea continues to inspire artists.
Whether they᾿re ships dwarfed by giant waves or recovering in port these paintings seem to be
illustrations from fantastic stories.155
Diese ›fantastischen Geschichten‹ werden wir wohlgemerkt niemals zu hören be-
kommen, weil die Objekte ohne jeden Kontext sowohl auf der Darstellungs- als auch
Entstehungsebene daherkommen. Sie sind insofern Referenten auf der Suche nach
einer Referenz, die nur der Betrachter ihnen imaginierend verleihen kann. Dies führt
dazu, dass die Exponate des MoF trotz aller Gegenständlichkeit und vermeintlichen
inhaltlichen Flachheit durchaus zu ›schocken‹ imstande sind. So findet sich in der
Haustier-Galerie z.B. die Darstellung eines Dackels im Profil. Über seinem Kopf
153 http://www.museumoffred.com/animals.html vom 15.11.2015.
154 http://www.museumoffred.com/pets.html vom 15.11.2015.
155 http://www.museumoffred.com/boats.html vom 15.11.2015.
Dinge – Nutzer – Netze
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Titel
- Dinge – Nutzer – Netze
- Untertitel
- Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Autor
- Dennis Niewerth
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4232-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
- Kategorie
- Medien