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7.4 DAS VIRTUELLE ALS AUSSTELLUNGSOBJEKT
In Kapitel 3.2.2 dieser Arbeit wurde mit Eduardo Kac eine kategorische kulturelle
Verschiedenheit von digitalisierten virtuellen Ausstellungsgegenständen und sol-
chen festgestellt, die originär digital sind. Während erstere nämlich Referenten eines
materiellen Originals sind, dessen kultureller Ort meist auch den kuratorischen Um-
gang mit der virtuellen Kopie diszipliniert, sind letztere in weit weniger eindeutige
Verweisstrukturen eingebunden. Und wo Digitalisate einen klaren Vektor der Virtu-
alisierung des Musealen bilden, stehen ab origine digitale Objekte vielmehr im Zei-
chen einer Musealisierung des Virtuellen. Sie bilden den offensichtlichsten Ausstel-
lungsgegenstand für virtuelle Museen, eben weil sie sich anders gar nicht ausstellen
ließen – und es ist eben das kuratorisch-museale Prinzip der conncectedness, mittels
dessen man sie sinnhaft zu machen trachtet.
Zwei Angebote sollen im Folgenden exemplarisch betrachtet werden, von denen
eines als virtuelles Kunstmuseum auftritt, während das andere eher ›ethnographi-
schen‹ Charakter aufweist: Das Digital Art Museum stellt explizit computergenerierte
Kunst aus und versteht sich als eine hybride Plattform aus Internetauftritt und physi-
scher Galerie, welche digitaler Kunst zu öffentlicher Wertschätzung verhelfen soll.
Das Internet Archive strebt nichts Geringeres an als die Konservierung virtueller Res-
sourcen für die digitale Nachwelt – inklusive des kompletten WWW in all seiner
Fülle und Veränderlichkeit.
7.4.1 Das Digital Art Museum (www.dam.org)
Das Digital Art Museum entstand in den Jahren 1998 bis 2000 als Pionierprojekt für
virtuelle Ausstellungen digitaler Kunst, vor allem in Form der Computergrafik. Sein
Gründer Wolfgang Lieser gibt im Rahmen eines Interviews auf der Art Cologne im
November 2005 an, dass vor allem die prekäre wirtschaftliche Situation von mit di-
gitalen Medien arbeitenden Kunstschaffenden den Anstoß zur Gründung des DAM
gegeben habe: Ende der 1990er Jahre habe es für diese kaum Möglichkeiten gegeben,
ihre Arbeiten zu verkaufen oder auch nur zu präsentieren – obwohl nicht wenige von
ihnen bereits seit Jahrzehnten aktiv waren. Hinter dem DAM stand also zuvorderst
die Absicht, das Feld der Computerkunst der Öffentlichkeit vorzustellen und über
seine Akteure und Absichten zu informieren. Zu diesem Zweck wurde es nicht als
ein rein virtuelles Angebot konzipiert, sondern mit einer physischen Galerie in Berlin
gekoppelt, welche die vom DAM vertretenen Künstler nach außen repräsentiert.160
Das Museum ist seit 2009 unter zwei separaten Web-Adressen zu erreichen. Un-
ter www.digitalartmuseum.org findet man die ursprüngliche, nicht mehr aktualisierte
160 Vgl. http://ia700408.us.archive.org/16/items/Wolf_Lieser_about_the_Digital_Art_
Museum/Interview_ DAM.mp4 vom 15.11.2015.
Dinge – Nutzer – Netze
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Titel
- Dinge – Nutzer – Netze
- Untertitel
- Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Autor
- Dennis Niewerth
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4232-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
- Kategorie
- Medien