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seines Schaffens versehene Startseite.169 Über drei Reiter kann der zum jeweiligen
Künstler gehörende Datensatz dann vertiefend erforscht werden: Unter Artworks /
Work Phases finden sich mit kurzen Beschreibungstexten versehene Abbildungen
von Kunstwerken, welche in einigen Fällen Phasen oder Serien von Werken zuge-
ordnet sind, die wiederum als Unterkategorien fungieren. Im Falle von Mantz tragen
diese die Bezeichnungen Virtual Landscapes (ebendies: gerenderte Landschaftsdar-
stellungen), Thicked and Clearance (ebenfalls gerenderte Landschaften, hier mit Be-
tonung von Pflanzenwuchs), Virtual Objects (abstrakte Darstellungen imaginärer Ge-
genstände, die laut Mantz das Spannungsfeld zwischen der materiellen Anmutung
und der Nicht-Repräsentativität von Computergrafiken erforschen sollen) und Real
Objects (Übersetzungen solcher Gegenstände in physische Plastiken aus verschiede-
nen Materialien).170
Die Einzelansichten der Kunstwerke sind nicht über HTML in die Webseite ein-
gebunden und können daher nicht ohne Umwege vom Nutzer heruntergeladen wer-
den. Interessanterweise ist die einzige zu Computergrafiken gemachte Größenangabe
jene über Abmessungen eines physischen Ausdrucks in Zentimetern, nicht etwa die
dem Gegenstand eigentlich viel angemessenere über Auflösung oder Dateiformat
und -größe.171 Tatsächlich scheint das DAM sich insgesamt überraschend schwer mit
der Idee zu tun, seine virtuellen Exponate tatsächlich in ihrer Virtualität und digitalen
Abstraktheit auszustellen. Nicht nur, dass gezeigte Computergrafiken als digitale Ab-
bilder von physischen Ausdrucken ursprünglich bereits digitaler Originale auftreten:
Installationskunstwerke wie die Sexpuppen-Inszenierungen der amerikanischen
Künstlerin und Filmemacherin Lynn Hershman Leeson werden in Form jeweils eines
einzigen, ausschnitthaften Fotos vorgestellt,172 Filme (wie die Dokumentation !Wo-
man Art Revolution! derselben Künstlerin) in jener eines Plakates.173
Auch scheint sich das DAM bei der Präsentation seiner Ausstellungsstücke nur
begrenzt darüber im Klaren zu sein, was für ein Publikum es eigentlich anzusprechen
versucht. Während dem Projekt einerseits die Idee zugrunde liegt, dass digitale Kunst
in Konzept und Ausführung noch nicht im Bewusstsein des weiteren Publikums an-
gekommen sei, scheint die virtuelle Ausstellungspraxis häufig ein beachtliches Maß
an Kenntnissen beim Besucher vorauszusetzen. Ähnlich wie das 8bit-Museum
169 Vgl. http://dam.org/artists/phase-two/gerhard-mantz vom 15.11.2015.
170 Vgl. http://dam.org/artists/phase-two/gerhard-mantz/artworks-work-phases vom
15.11.2015.
171 Vgl. http://dam.org/artists/phase-two/gerhard-mantz/artworks-work-phases/virtual-
landscapes vom 15.11.2015.
172 Vgl. http://dam.org/artists/phase-three/lynn-hershman-leeson/artworks/2005-09 vom
15.11.2015.
173 Vgl. http://dam.org/artists/phase-three/lynn-hershman-leeson/artworks/since-2010 vom
15.11.2015.
Dinge – Nutzer – Netze
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Titel
- Dinge – Nutzer – Netze
- Untertitel
- Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
- Autor
- Dennis Niewerth
- Verlag
- transcript Verlag
- Datum
- 2018
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-4232-6
- Abmessungen
- 14.8 x 22.5 cm
- Seiten
- 428
- Schlagwörter
- Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
- Kategorie
- Medien