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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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Fallstudien | 379 Objekte vereinigt, die von Privatleuten auf Archive.org hochgeladen wurden und ih- rerseits das Repertorium für zahllose Nutzer-Sammlungen bildet. Das Internet Ar- chive sammelt nahezu alles, solange es digital vorhanden und nicht durch Urheber- rechte geschützt ist: Unter Videos findet man Filmklassiker mit erloschenem Copy- right (z.B. F.W. Murnaus Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens oder D.W. Grif- fiths Birth of a Nation) ebenso wie B-Movies (u.a. Ed Woods Plan 9 from Outer Space und William Castles House on Haunted Hill), als aber auch Mitschnitte histo- rischer und zeitgenössischer Nachrichtensendungen, Aufnahmen der Predigten von Geistlichen verschiedener Religionen und amerikanische Kurzfilme zur Gesund- heitsaufklärung aus den 1950er Jahren. Eine der gefragtesten Sammlungen im Früh- jahr 2016 enthält Videomaterial über den Irakkrieg.188 Im Bereich Audio finden sich nicht nur Radioprogramme unterschiedlichster Art (von historischer Berichterstat- tung über Hörspiele bis hin zu aktuellem Webradio), sondern auch Sprachkurse, Ko- pien seltener Musikpressungen, Konzert-Bootlegs sowie die von Amateursprechern eingespielten Hörbücher des LibriVox-Projektes.189 Besonders bemerkenswert ist der Bereich Software, der tatsächlich in erster Linie Computerspielen gewidmet ist: Dieser enthält nicht nur Kopien klassischer PC-, Konsolen- und Arcade-Spiele, sondern auch die zugehörigen Emulationssoftwares, die für deren Ausführung auf modernen Computern notwendig ist und direkt in die Webseite eingebaut wurde. Es ist somit möglich, diese Spiele direkt im Browser zu spielen.190 Das Internet Archive lässt seine Besucher also nicht nur Exponate akqui- rieren und kuratieren, es hebt zugleich auch alle Distanz zwischen Betrachter und Ausstellungsstück auf, die das klassische Museumsdispositiv auszeichnet ‒ es darf nunmehr buchstäblich mit ihnen gespielt werden. Der interessanteste Sammlungsbereich von Archive.org ist indes die Rubrik Web. Hier findet der Nutzer weder Sammlungsfelder noch ein Schlagwortverzeichnis, son- dern lediglich das Eingabefeld einer Suchmaschine namens Wayback Machine. Seit seiner Gründung im Jahre 1996 kooperiert das Internet Archive mit dem inzwischen von Amazon aufgekauften Analytics-Dienstleister Alexa Internet, um Webseiten zu archivieren ‒ und zwar mit den Methoden der Big Data-Ökonomie. Mithilfe von Webcrawler-Programmen wurden in den ersten fünf Jahren des Projektes 100 Tera- bytes an öffentlich einsehbaren HTML-Seiten kopiert und archiviert,191 gegenwärtig lädt das Suchfeld der Wayback Machine zum Stöbern in über 462 Milliarden Web- seiten ein. Dabei funktioniert sie entschieden anders als Suchmaschinen, die das zeitgenös- sische Web erschließen sollen. Die Wayback Machine betreibt weder eine Textsuche, 188 Vgl. https://archive.org/details/movies?&sort=-downloads&page=1 vom 02.01.2016. 189 Vgl. https://archive.org/details/audio vom 02.01.2016. 190 Vgl. https://archive.org/details/software vom 02.01.2016. 191 Vgl. https://archive.org/about/faqs.php#The_Wayback_Machine vom 03.01.2016.
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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