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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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384 | Dinge – Nutzer – Netze Plattform hochgeladen wird – sei es vom eigenen Rechner oder von einer anderen Webseite. Ein Repin hingegen ist die Kopie eines Pins vom Board eines anderen Nutzers. Repins sind – um Silbermanns Rhetorik aufzugreifen – gewanderte ›Ideen‹, die dupliziert, bewegt und neu kontextualisiert worden sind. Tatsächlich machen Re- pins das Gros des Kommunikationsvolumens auf Pinterest aus – 2012 waren über 80 % der Pinnwandinhalte nicht originär neu, sondern aus den feeds anderer Nutzer übernommen (vgl. ebd.). Insofern weist Pinterest also die zentralen Merkmale des Imaginären Museums auf: Seine ›Ausstellungsstücke‹ sind beliebig reproduzierbar und assoziierbar, und die einzigen Regeln der Reproduktion und Assoziation sind jene, die sich die Nutzer selbst auferlegen. Zugleich ist Pinterest auch – wenngleich Silbermann die Plattform nicht als ein soziales Netzwerk verstanden wissen will – eine Bühne für soziale Sze- nographien, die hier allerdings im Gegensatz zum Museum nicht zentral geplant und arrangiert werden, sondern emergent aus den Vektoren der Kommunikation entste- hen, die Pinterest seinen Nutzern zur Verfügung stellt. Zu diesen gehört zuvorderst eben die Mechanik des ›Folgens‹ und Zitierens in Form von Repins. Zugleich aber ist es den Nutzern auch erlaubt, Pins und Repins zu kommentieren – und eine der neusten Funktionen im Frühjahr 2016 ist ein eingebautes Messaging-System.196 Kuratieren wird also von der Kerntätigkeit materieller Kulturvermittlung zur Me- thode gemacht, die Kommunikation über Alltagsgegenstände zu organisieren – und von einem Top-Down-Prozess zu einem emergenten Ablauf in einer vielpoligen Ak- teurskonstellation. Insofern lässt sich Pinterest also durchaus als eine Übertragung des musealen Paradigmas auf die Alltagswelt lesen: Das Kuratieren lässt Gebrauchs- gegenstände wie z.B. Kleidung und Möbelstücke vor einem Publikum sichtbar wer- den und belegt sie mit einer Aura der Begehrlichkeit und nicht zuletzt auch des Au- thentischen – sind es doch ›echte‹ Menschen, die hier ›echte‹ Begeisterung für ›echte‹ Dinge teilen. Indes ist das Erbe der Shopping-App Tote, aus der Pinterest entstanden ist, durchaus noch lebendig. Neben den Millionen privater Nutzer, die Inhalte aus Interesse und zum Vergnügen teilen, weiterverbreiten und kommentieren, sind auch kommerzielle Akteure vertreten, die Pinterest als Vermarktungsplattform nutzen. Schon 2012 listete die Marketing-Webseite Socialfresh mehr als 250 Marken auf, die Pinterest als ›viralen‹ Werbekanal nutzten (vgl. Keath 2012), und Pinterest selbst umgarnt große wie kleine (und damit short head- ebenso wie long tail-)Unternehmen mit »Erfolgsstories« von Händlern und Dienstleistern, die mittels Pinterest Kunden und potenzielle Kunden via Pins und Repins für sich werben lassen.197 Insofern betreiben Pinterest-Nutzer eine im doppelten Sinne hochsubjektivierte Form von ›Ausstellungstätigkeit‹: Auf ihren Pinnwänden präsentieren sie nicht nur virtuelle Mini-Museen ihrer eigenen Vorlieben, Interessen und Identitätsentwürfe – 196 Vgl. https://about.pinterest.com/de/messages vom 05.01.2016. 197 Vgl. https://business.pinterest.com/de/success-stories vom 05.02.2016.
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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