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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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390 | Dinge – Nutzer – Netze 7.5.3 Überall museal: Ubiquitous Computing und Museumsapps Gute anderthalb Jahrzehnte bevor Michael Liebe die ›Mobilität‹ als eines der zentra- len Dispositive der Computernutzung unserer Gegenwart ausmacht, diagnostizierte der amerikanische Informatiker Mark Weiser einen gerade beginnenden Wandel in Ort und Praxis des Umgangs mit digitalen Medien. Das neue Paradigma des Rechners überschrieb er mit dem Begriff des ubiquitous computing – wörtlich also der ›allge- genwärtigen Berechnung‹. Der sperrige und unbewegliche Tischrechner würde, so seine Überzeugung, zukünftig in sehr begrenzte und spezifische Aufgabenfelder zu- rückgedrängt werden. Die Zukunft gehöre portablen Geräten, die im Gegensatz zum Desktop nicht länger in einer »world of [their] own« (Weiser 1991: 94) gefangen seien, sondern digitale Datenverarbeitung zu einem miasmatischen und fast unsicht- baren Bestandteil unserer Alltagswelt werden lassen würden. Die Ubiquität wird da- bei doppelt gedacht und bezieht sich sowohl auf das Vorhandensein dieser tragbaren Computer selbst, als auch auf die Möglichkeit, mit ihnen jederzeit auf Netzwerke und Datenbankbestände zuzugreifen (vgl. ebd.). Damit positioniert sich Weiser ganz ex- plizit gegen die Cyberspace-Metapher und die Utopien der virtual reality, die sich mit ihr verbinden: Wo letztere nämlich die Transposition des Menschen bzw. seiner Wahrnehmung in die Scheinwelten immersiver Interfacegebäude anstrebt, will Wei- ser die Verwischung jeder wahrnehmbaren Grenze zwischen analoger und digitaler Welt mittels einer unmittelbaren Integration des Virtuellen ins ›Reale‹ (vgl. ebd.: 94ff.). Weisers Schätzung nach würden drei Gerätekategorien diese Entwicklung tra- gen und vorantreiben: Tabs sollten als kleinste Form portabler Computer etwa so groß wie Notizblöcke sein, pads in ihren Abmessungen etwa Büchern und Zeitschrif- ten entsprechen und boards schließlich die Ausmaße von Schultafeln oder Anschlag- brettern annehmen (vgl. ebd.: 98; vgl. Niewerth 2013: 3). Obwohl sich für die einzelnen Größenordnungen mobiler Computer andere Be- zeichnungen durchgesetzt haben, ist die Weitsichtigkeit von Weisers Prognose heute offensichtlich: Das Dispositiv ›Mobilität‹ ist im Laufe des vergangenen Jahrzehntes womöglich zum wichtigsten unseres Umgangs mit Computerhard- und Software ge- worden. Es unterscheidet sich von allen anderen eben darin, dass es eigentlich keine klare und benennbare Dispositivstruktur mehr aufweist und keinen bestimmten, ide- altypischen Ort mehr belegt. Während der Desktop auf einem Schreibtisch steht und die Spielkonsole üblicherweise an einen Fernseher gegenüber eines Sofas ange- schlossen ist, werden mobile Geräte in allen nur denkbaren sozialen und räumlichen Situationen genutzt ‒ inklusive solcher, die einst klar die Domäne anderer Compu- tertypen waren. Die Existenz und Brisanz dieser neuen Form von digitaler Medien- nutzung ist leicht zu attestieren, ihr tatsächliches ›Wesen‹ allerdings überaus schwie- rig zu umreißen.
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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