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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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398 | Dinge – Nutzer – Netze Virtuelle Museen seien daher eine längst überfällige Erscheinung, deren legitimer musealer Charakter für Kittler gar nicht infrage zu stellen ist ‒ tatsächlich seien sie womöglich die einzig zeitgemäße Form musealer Darstellung, weil in ihnen erstmals Technik und Kultur, Gegenstände und Bedingungen zusammenfallen: Register und Ausstellung verweisen nicht mehr aufeinander, sondern werden eins. Aus der Tatsa- che, dass jedes Exponat aus genau den Daten besteht, über die es adressierbar ist, ergibt sich für Kittler eine nahezu perfekte Verbindung von Existenz und Benennung, während die mit den Exponaten verbundenen Wissensinhalte massiv flexibilisiert werden (vgl. ebd.: 73). Der Computer erfordert nach Kittler eine ganz neue Museo- logie, die auf die Zusammenführung eines fragmentierten Wissenskosmos abzielt ‒ allerdings nicht in einer Universaldatenbank, sondern in der Synthese zwischen Kunst und Technik und der Verankerung aller Kultur in den Medien, die ihre Vo- raussetzung sind (vgl. ebd.: 74f.). Virtuelle Museen sollen daher vor allem Museen des Virtuellen sein und deutlich machen, wie sehr Rezeptionserfahrungen von ihren medialen Rahmenbedingungen abhängen: Das Ziel von Interface- und virtual reality- Systemen soll es nicht etwa sein, Simulakren historischer Wirklichkeiten entstehen zu lassen, sondern vielmehr ihre eigene Beschaffenheit und Programmatik zu thema- tisieren. Das Digitale selbst soll Ausstellungsgegenstand, das virtuelle Medium selbst soll begehbar und transparent gemacht werden. Hierin sieht Kittler die Rolle des vir- tuellen Museums in einer Zeit, in der die Digitalisierung von Museumsdingen ohne- hin fast von allein geschieht (vgl. ebd.: 77): Es darf nicht nur ein Speicher für kon- krete Inhalte sein, sondern muss auch die Baupläne unserer Vermittlungsanordnun- gen enthalten. Nur dann nämlich könne es eine aufklärende Rolle für eine Welt ein- nehmen, in der mediale Trägertechnologien, die ihre eigene Natur verschleiern, uns stets mit dem neuen ›neuen Mittelalter‹ einer Priesterherrschaft der Programmierer drohen (vgl. ebd.: 78f.). Womöglich stößt uns Kittler mit dieser Einschätzung nicht nur auf eine mögliche Strategie, derer sich die Institution Museum im Umgang mit digitaler Medientechnik bedienen könnte. Was sich hier anzudeuten scheint, wäre vielmehr genau jener gol- dene Schnitt, innerhalb dessen das Museum sein Selbstbild und seinen Bildungsauf- trag für das digitale Zeitalter neu erfinden könnte, ohne mit seiner zu den antiken Tempelschätzen reichenden Tradition zu brechen ‒ und der zugleich den Rahmen bilden könnte für eine Museumphilosophie, die ihre eigene Mittelbarkeit im Vollzug der Ausstellungstätigkeit mitdiskutieren imstande wäre. Am Anfang dieser Studie stand die information anxiety Paul Valérys und mit ihr dessen Unvermögen, dem Museum so zu begegnen, wie es seine ›Tempelhaftigkeit‹ eigentlich verlangen würde: in Ehrfurcht vor seiner Tradition und Anerkennung sei- ner Autorität, in Wertschätzung und Verständigkeit für seine kuratorischen Fügungen bei gleichzeitiger Einfühlsamkeit in die Würde und Einmaligkeit jedes einzelnen Ausstellungsstückes, und in duldsamer Dankbarkeit gegenüber der Fülle unseres kul- turellen Erbes. An ihrem Ende steht nun die Diagnose einer ganz anderen Varietät
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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