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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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Schluss und Ausblick | 399 von Informationsangst, die viel weniger das Publikum zu befallen scheint als die aus- gebildeten Experten und Kulturarbeiter, die der Institution ihre Biographien ver- schrieben haben – und die nun einer vermeintlichen Medienrevolution entgegenbli- cken, die zu bewältigen es ihnen an technischem Know-How ebenso zu fehlen scheint wie an Bewusstsein für die bestehende Medialität des Museums. Als selbst nicht dezidiert für den Umgang mit digitalen Medien ausgebildete Fachkräfte sind Museumsleute auch nicht davor gefeit, den üblichen Fehleinschät- zungen, Gemeinplätzen und gelegentlichen Mystifizierungen aufzusitzen, welche den öffentlichen Diskurs über unsere Medienlandschaft informieren. Nick Poole stellt 2012 in einem Text für den Londoner Collections Trust fest: Der Digitalitäts- begriff sei mittlerweile so überstrapaziert, dass er außerhalb explizit technikbezoge- ner Diskurse fast gar nichts mehr bedeute. Er sei zu einem Schlagwort geworden, mit dem sämtliche »Aktivitäten, Technologien, Geschäftsmodelle und Fähigkeiten« (Poole 2012) über einen Kamm geschoren würden, die in irgendeiner Form mit der Übermittlung von Einsen und Nullen mittels elektronischer Signale zusammenhin- gen. Mit dieser deskriptiven Leere verbinde sich indes eine konnotative Fülle, die Anpassung fordert und Unausweichlichkeit postuliert: Wo das Digitale Beschworen wird, da geht es um Modernität und »die Zukunft« (ebd.) schlechthin – auch, wenn sich vor dem Horizont der ›Digitalität‹ als Sammelbegriff mittlerweile längst ausge- dehnte Landschaften obsoleter und gescheiterter Technologien erstrecken (vgl. ebd.). Das immer noch andauernde sprachliche Beharren auf Digitalität bzw. Digitali- sierung als Hauptmerkmal unserer medialen Situation ist ‒ wie in dieser Studie im- mer wieder angeklungen ist ‒ in vielerlei Hinsicht nicht nur der Affe auf dem Rücken des Museums und seiner zahlreichen gegenwärtigen didaktischen Neupositionierun- gen, sondern schlechthin die Geißel aller Rede über kulturelle Kommunikation in unserer Gegenwart: Es macht die Technik selbst zum Bezugspunkt des Diskurses und verstellt uns den Blick auf den Umstand, dass die Technik sozial verortet, eingebun- den und umsponnen ist – und dass jede neue Technologie auf eine bereits existierende Welt stößt, die auf sie reagiert und sie sich zu eigen macht, während sie ihrerseits von ihr vereinnahmt wird. Der Lichtblick für unsere laufenden Technikdebatten ist laut Poole der, dass das Digitale sich als ihre zentrale Größe zunehmend abnutze und ein neues Paradigma an seine Stelle rücke: jenes des »Sozialen« (ebd.). Mit diesem wie- derum sei angezeigt (und man denke hier an das in Kapitel 2.4 diskutierte Hervorge- hen unserer Netzwerkvorstellung aus der Sozialpsychologie), dass wir in einer Epo- che der Relationen, der wechselseitigen Bedingtheiten und Bezüglichkeiten sowie schlicht der Netzwerke leben. Das Informationszeitalter sei damit nicht etwa wesent- lich ›digital‹, sondern in seiner täglichen Praxis vor allen Dingen »connected« (ebd.). Für Poole verbindet sich mit dieser Feststellung eine optimistische Zukunftsprognose nicht nur für das Museum, sondern auch für Archiv, Bibliothek und alle übrigen Ein- richtungen der öffentlichen Erinnerungskultur. Das Paradigma des Miteinanders, der
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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