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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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Schluss und Ausblick | 405 ratorisch. Auch diese Ironie gehört unweigerlich zur Diagnose der Lage des Muse- ums in der digital-technisierten Welt: Es bangt um seine Zukunft zu einer Zeit, in der seine Expertise und Kompetenzen wertvoller und gefragter sein sollten denn je. Das Bestreben dieser Arbeit, die Virtualisierung des Museums als Kontinuität statt als Bruch zu lesen, weist damit weit über mediengeschichtliche Spitzfindigkei- ten hinaus. Wie deutlich gemacht werden konnte, ist es eben diese Fortführung einer Tradition des Virtuellen als Daseinsmodus, vermittels welcher sich das Museum als Referenzinstitution innerhalb laufender Medienwechsel positionieren könnte. Das Museum ist eben nur scheinbar eine ›konservative‹ Einrichtung, die vorrangig spei- chert und bewahrt. Tatsächlich sind Museen, wie André Malraux schon in den 1940er Jahren erkannte, Stätten der laufenden Neubewertung und Uminterpretation von Be- deutungsträgern und den zwischen ihnen bestehenden Zusammenhängen für Öffent- lichkeiten, die sich in Wechselwirkung mit ihnen verändern. Als Mediensysteme sind sie damit weit ›flüchtiger‹, als es sich Museumsleute meist einzugestehen gestatten. An der Tatsache, dass das Museum dieser Flüchtigkeit von Bedeutungen und An- schlussfähigkeiten zum Trotz (oder womöglich gerade ihretwegen!) seine monumen- tale Stellung durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder behaupten konnte, lässt sich einiges über seine Fähigkeit ablesen, Virtualität zu bewältigen und Permanenz zu produzieren. Indes kann und wird die soziokulturelle Verortung des Museums die fortschrei- tende Digitalisierung von Sammlungsbeständen und die Ausweitung der Ausstel- lungsfläche auf Milliarden von Computerbildschirme nicht unverändert überstehen. Der Museumsbegriff der Zukunft wird ein weiterer und weicherer sein als jener der Gegenwart, wie jener der Gegenwart bereits ein weiterer und weicherer ist als jener der Vergangenheit. Laienprojekte werden weiterhin ihr Recht einfordern, ›museal‹ auftreten zu dürfen – und keine Instanz wird es ihnen zu verweigern vermögen. Im- mer ausgefeiltere Suchalgorithmen werden die Grenzen zwischen individuellen An- geboten und damit auch zwischen Musealem und Profanem im Web weiter verwi- schen ‒ und virtuelle Museen zu Kompromissen zwischen Schock und Anschlussfä- higkeit bzw. zwischen Daseinsberechtigung und Auffindbarkeit zwingen. Die Ver- fügbarkeit immer hochauflösenderer Digitalisate von musealen Ausstellungsstücken wird das Bild, das sich das Publikum von den Dingen macht, ebenso verändern wie das Verhältnis, in dem es sich zu diesen Dingen sieht. Das Web und seine Kultur des unverzögerten Findens und Verwertens haben die Erwartungen und Forderungen des Publikums verändert und werden dies auch in Zukunft tun. Wenn sich aus den Veröffentlichungen zur Museumsvirtualisierung der 1990er Jahre eine Lehre ziehen lässt, dann ist es die, dass extrem utopische oder apokalypti- sche Zukunftsprognosen meist ins Leere laufen und ihren Verfassern ein bis zwei Jahrzehnte später allenfalls zur Peinlichkeit gereichen. Das absolute Museum ist als solches bisher ausgeblieben ‒ jedoch haben gänzlich unmuseal konzipierte Dienste viele seiner einstmals antizipierten Funktionen übernommen. Das Ideal permanenter
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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