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Dinge – Nutzer – Netze - Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
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Schluss und Ausblick | 407 Dieses immer höhere Stapeln von Virtualitätsebenen scheint eine recht eindeutige Tendenz abzubilden: Museen werden längst nicht mehr virtuell, sondern virtueller. Virtuelle Museen werden mit sozialen Netzwerken verschaltet, physische richten sich darauf ein, nicht nur mit dem Besucher, sondern auch mit seinem Handy kommuni- zieren zu müssen. Die ›augmentierte‹ Realität wird möglicherweise mehr noch als die ›virtuelle‹ das Museum in die Außenwelt und die Außenwelt ins Museum tragen. Museen waren zwar immer schon ›vernetzte‹ Einrichtungen, aber diese Vernetzung geschah innerhalb ihrer etablierten Kompetenzbereiche: als kuratorische Zusammen- stellung von Exponaten, als Kooperation zwischen individuellen Häusern, als ›sozi- ale Szenographie‹ zwischen Besuchern. Die Virtualisierung verlangt nun von ihnen, sich mit Plattformen und Dienstleistern zu vernetzen, denen der Bildungsauftrag des Museums nicht nur fremd ist, sondern die ihm womöglich völlig zuwiderlaufen. Wenn Suchmaschinen ›sehen‹ können, ist es ein Leichtes, sich Apps für Geräte wie Google Glass oder Microsoft HoloLens vorzustellen, die dem Träger einer solchen Datenbrille zu jedem Kunstwerk, das er sich im Museum anschaut, sofort auch den Wikipedia-Artikel und Zoom-Ansichten bereitstellen. Das Original-Exponat muss um seine Aura wohl auch in Zukunft nicht bangen ‒ die ›technischen Dinge‹ des Museums aber, allen voran die althergebrachte Erklärungstafel, sehen sich mit ganz neuer Konkurrenz konfrontiert. Dass die Museumsvirtualisierung grundsätzlich ein Prozess ist, und nicht etwa ein abschließbares Phänomen, und dass sie als Prozess nicht zuletzt auch eine Abfolge technischer Entwicklungen darstellt, muss als Ergeb- nis dieser Arbeit kaum betont werden. Die Implikation für die Museumswissenschaft ist aber eine brisante: Nicht nur, dass die Museumsvirtualisierung eine grundlegende Auseinandersetzung mit den medialen Eigenarten des Museums einfordert ‒ sie be- dingt auch, dass die Auseinandersetzung niemals zum Abschluss gebracht werden kann, weil ihre medialen Bedingungen nicht aufhören werden, sich zu verändern. Ähnliches gilt für die soziale Situiertheit virtueller Museen und deren Verhältnis zu jener der physischen Institution. Ob (und falls ja, in welchem Ausmaß) sich die öffentliche Wahrnehmung der Institution Museum unter dem Eindruck von Virtuali- sierungsphänomenen verändert hat, ist derzeit kaum auszumachen. Recht eindeutig feststellbar ist jedoch die Tatsache, dass sich der Museumsbegriff (gerade unter dem long tail der Kulturvermittlung im Netz) mehr und mehr zum Schlagwort einer An- eignung von medialen Kanälen durch kulturell interessierte Laien entwickelt hat. Vir- tuelle Museen wie das Museum of Fred stellen das Museum und seine institutionellen Ausformungen auf den plebiszitären Prüfstand, affirmieren es aber zugleich als Ge- genentwurf zur Beliebigkeit der Suchmaschinen und Empfehlungsaggregatoren schlicht aus der Tatsache heraus, dass sie im Web als kuratierte Angebote mit muse- aler Selbstbezeichnung auftreten. Die zahllosen von Privatpersonen betriebenen vir- tuellen Museen im Internet zeichnen sich überwiegend dadurch aus, dass sie sich so-
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Dinge – Nutzer – Netze Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Titel
Dinge – Nutzer – Netze
Untertitel
Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Autor
Dennis Niewerth
Verlag
transcript Verlag
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-8394-4232-6
Abmessungen
14.8 x 22.5 cm
Seiten
428
Schlagwörter
Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte
Kategorie
Medien
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