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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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den später in zahlreichen Hollywood-Filmen im Kontext des Kalten Krieges wiederholt.9 Ein anderes prominentes filmisches Beispiel systemübergreifender Liebe ist Billy Wilders10 Parodie One Two Three (1961), die den überzeugten Jungkom- munisten Otto Ludwig Piffl aus dem Osten Berlins vorführt, der seine ideolo- gischen Prinzipien ausgerechnet aus Liebe zu Scarlett Hazletin, der Tochter des Vorsitzenden des Coca-Cola-Konzerns, aufgibt und zum Kapitalismus konver- tiert.11 Als der Film 1961 in die Kinos kam, konnte in der BRD freilich kaum jemand darüber lachen, denn noch während der Dreharbeiten war die Berliner Mauer gebaut worden. Der Film fiel beim Publikum durch und erfuhr erst bei seinem Neustart in den 1980er-Jahren die verdiente Anerkennung. Wie aktuell und populär das Erzählen von einer Liebe über die Blockgrenzen hinweg war, zeigt sich auch an einem Bestseller des Kalten Krieges, Arthur Koest- lers The Age of Longing (1951, dt. Gottes Thron steht leer)12, der seinem Autor den Titel „Ehrenburg des Antikommunismus“ einbrachte.13 Auch in diesem dystopischen politischen Roman, der von der Besetzung Europas durch die Sow- jetunion, hier „Freies Friedensreich“ genannt, erzählt, bildet eine Liebesgeschich- te das Movens der Handlung. Hydie, die Tochter eines amerikanischen Beauf- tragten in Paris, verliebt sich in Fedya Nikitin, einen Kulturattaché des „Freien Friedensreiches“. Die beiden finden, wenn auch sehr zwiespältig, Gefallen anei- nander. Während eines Liebesabenteuers demonstriert er ihr, dass der Mensch, wie ein Hund, nur das Produkt seiner Dressur sei, ein Sklave seiner Reflexe, was Hydies Liebe in Hass umschlagen lässt. Dies umso mehr, als sie erfährt, dass Nikitin bereits Listen jener französischen Persönlichkeiten zusammenstellt, die dann, wenn das „Friedensreich“ die gesamte Welt umspannen würde, liquidiert werden sollen. Sowohl aus Rache als auch aus politischem Sendungsbewusstsein schießt Hydie mit einem Revolver auf ihren ehemaligen Liebhaber: „Wäre es Hydie gelungen, Fedya ganz totzuschießen, statt ihn bloß auf stümperhafte Wei- se in der Lende zu verwunden […] hätte zumindest ein Sinn darin gelegen“14, kommentiert der Erzähler. Einem der populärsten Spione des Kalten Krieges hingegen, dem britischen Agenten im Auftrag ihrer Majestät, James Bond, wird trotz wechselhafter eroti- 9 Vgl. Shaw: Hollywood’s Cold War, S. 27. 10 Wilder war bereits am Drehbuch von Ninotschka beteiligt. 11 Pia Le Moal-Piltzing: Billy Wilders Satiren: Schauplatz Österreich und Deutschland. Im Ange- sicht der Angst, des Schreckens, hilft am besten das beißende Lachen. In: Jeanne Benay, Alfred Pfabigan, Anne Saint Sauveur (Hg.): Österreichische Satire (1933–2000). Exil – Remigration – Assimilation. Bern [u.a.]: Lang 2003. S.  241–276. 12 Arthur Koestler: Gottes Thron steht leer. Frankfurt/M.: Fischer 1951. 13 Vgl. Caute: Politics and the Novel during the Cold War, 126  f. 14 Arthur Koestler: Gottes Thron steht leer, S. 430. Liebe in Zeiten des Systemkonflikts 95
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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