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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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scher Abenteuer mit exotisch-mysteriösen „Pal“-Girls15 die Liebe verwehrt. Als er im ersten Roman der Reihe von Ian Fleming, Casino Royale (1953; dt. erst 1960 bei Ullstein), beschließt, Vesper Lynd zu heiraten, zeigt sich die Unverein- barkeit beider Systeme. Sie nimmt sich das Leben, weil sie als sowjetische Dop- pelagentin im Dienste des „Ministeriums für innere Angelegenheiten“ (MWD, ab 1946 Nachfolgebezeichnung des „Volkskommissariats für innere Angelegen- heiten“, abgekürzt: NKWD) den britischen Agenten nicht lieben darf. In der österreichischen Literatur des Kalten Krieges erfreute sich der Stoff vor allem in den 1950er-Jahren großer Beliebtheit. Als Modell der literarischen Aus- einandersetzung mit dem Systemkonflikt schien einigen Autoren Romeo und Julia besonders geeignet. Die Geschichte der beiden verfeindeten Familien in Verona, aus deren „unheilschwangeren Schoß“ ein „Liebespaar, von bösem Stern bedroht“ hervorgeht, dessen „elend unglücklicher Sturz“ den „Streit der Eltern mit dem eignen Tod“16 beschließt, wurde vor allem unter deutlichen ideologi- schen Vorzeichen gestaltet. Es ist nie ein „dritter Weg“, den Romeo und Julia in diesen Bearbeitungen einschlagen, vielmehr bleiben die Figuren den bipolaren Strukturen verhaftet. Dabei ist die jeweilige ideologische Position des Autors der ausschlaggebende Faktor, wie in der Folge zu zeigen sein wird. Übertragungen des „Romeo und Julia“-Stoffes in den Kalten Krieg Milo Dors und Reinhard Federmanns gemeinsam verfasster Unterhaltungsro- man Romeo und Julia in Wien (1954)17 transponiert den Shakespeare’schen Stoff in das Wien der Besatzungszeit. Statt der Montagues und der Capulets stehen sich nun die USA und die UdSSR gegenüber, Romeo (Wilson) ist ein amerika- nischer Journalist und ehemaliger Koreakämpfer, Julia (Mischkin) eine russische Übersetzerin. Aus dem hilfreichen Pater Laurenz ist ein Hofrat Lorenz gewor- den, aus dem aufbrausenden Tybalt der linientreue Major Tubaljow. Nachdem sich die beiden Protagonisten auf einem diplomatischen Empfang kennengelernt haben, ziehen sie sich in ein Lokal zurück. Als sie erst jetzt erfährt, dass Romeo Amerikaner ist, reagiert Julia, die für die russische Nachrichtenagentur TASS tätig ist, höchst erschrocken: „Sie blickte hilfesuchend um sich, als hätte jemand sie angegriffen, und machte eine impulsive Bewegung. Es schien Romeo einen Augenblick, als wolle sie davonlaufen.“ (RJW 35) Die Blockfrage, gleichsam eine 15 Furio Colombo: Bonds Frauen. In: Oreste del Buono, Umberto Eco (Hg.): Der Fall James Bond. 007 – Ein Phänomen unserer Zeit. München: dtv 1966, S.  120–144. 16 William Shakespeare: Romeo und Julia, S. 9. 17 Milo Dor, Reinhard Federmann: Romeo und Julia in Wien. Gütersloh: Signum 1963 [im Fol- genden abgek. RJW]. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 96 3 Romeo und Julia im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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