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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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die „Reallöhne vergleicht und die z.T. erheblichen Qualitätsunterschiede bei Lebensmitteln und Konsumgütern berücksichtigt“.49 Von „immer wiederkeh- rende[n] Versorgungslücken“ im Osten, die den Lebensstandard beeinflussen, ist die Rede, und davon, dass „gewisse Grundnahrungsmittel […] häufig entwe- der gar nicht oder nur in unzureichender Menge erhältlich sind (z.B. Butter, Zucker, Fleisch)“.50 Unter „Konsumgüterversorgung“ weist die Broschüre auf erhebliche Mängel in der Ostzone hin, da die Produktion nicht ausreichen wür- de, um „den jahrelang angestauten Bedarf der Bevölkerung zu decken“.51 Kains Text negiert die ökonomischen Probleme des Ostens, vielmehr setzt er sie in Beziehung zum kapitalistischen Westen, wo die „Schätze“ (RJB 13) nicht richtig verteilt werden und führt die Überlegenheit auf recht simpel dargestellte Zusam- menhänge zurück: Auf der südlichen Bernauer Straße wird nach dem „Grund- satz gearbeitet, daß man nur das haben kann, was man sich selber schafft“, man müsse zuerst die Fabriken wiederaufbauen, in der Maschinen produziert wer- den, „für die man später in der Welt einkaufen kann“ (RJB 14). In einem Zei- tungsartikel über die angebliche Versorgungskrise in der DDR hat Kain im glei- chen Jahr festgehalten, dass das „Geschrei“ in der westdeutschen Presse, „nicht über eine Verknappung berichten, sondern vielmehr eine solche hervorrufen“ möchte, um die dortige Bevölkerung zu ängstigen und zu beunruhigen: „Das Geschrei über die ‚Versorgungskrise‘ ist nur eine Seite des Kalten Krieges gegen die DDR, der nicht einen Tag aufhört.“52 Das Verhältnis zwischen Heiner und Helga wird, obwohl die Menschen „nörd- lich und südlich der Bernauer Straße kaum noch Beziehungen zueinander“ (RJB 64) haben, dann doch bekannt. Die verbotene Beziehung wird von Heiners Vater politisch interpretiert – die Diskurse des Privaten und Politischen verflechten sich: „‚Dreißig Jahre bin ich in der Arbeiterbewegung‘“, so Paul Schradow „‚und du knüpfst Verbindungen zum Klassenfeind an!‘“ (RJB 66) Neben diesem „Ver- rat“ wird sein Sohn für ihn zudem noch ein potentieller Republikflüchtling: „Oder willst du dir einen Platz sichern im Flüchtlingslager drüben, bei den Brandstiftern und Banditen?“ (RJB 67). Schradow reproduziert an dieser Stelle aggressiv-abwertende Stereotypen der sowjetischen Propaganda, die verschärft ab 1949 eingesetzt wurden, um den „ärgsten Feind der Völker“, also die USA, zu diskreditieren.53 Die politische Unzuverlässigkeit seines Sohnes verknüpft er mit der Person Kowalskis, der die blutigen Berliner Arbeiteraufstände am Wed- 49 Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen (Hg.): SBZ von A bis Z. Ein Taschen- und Nachschlagebuch über die Sowjetische Besatzungszone Deutschlands. 4.,  überarb. Aufl. Bonn: Deutscher Bundes-Verlag 1953, S.  189. 50 Ebd. 51 Ebd., S. 166. 52 Franz Kain: Es gibt keine Versorgungskrise in der DDR. In: Neue Zeit, 26.3.1955. 53 Vgl. Mueller: „Wildwest in Wien dauert an.“ In: Behrends, von Klimó, Poutrus (Hg.): Antiame- Übertragungen des „Romeo und Julia“-Stoffes in den Kalten Krieg 111
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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