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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Seite - 113 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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Vom Shakespear’schen Original ist in Kains Version hinsichtlich der Ausgestal- tung allenfalls das Motiv der verfeindeten Familien (wenn auch eingeschränkt und nur in Bezug auf die Väter) sowie der Titel übrig geblieben. Deutlich wird im Verlauf des Textes die Strategie des Autors, die vom Westen verbreiteten Negativbilder über den Osten abzuwehren. Nicht nur österreichische Autoren, auch der westdeutsche Dramatiker Gerd Oelschlegel hat Shakespeares Stück bearbeitet und verfasste unter dem Titel Romeo und Julia 1953 ein Hörspiel, das er später zu einem Theaterstück umar- beitete. Ebenso bediente sich der ostdeutsche Autor Hans Pfeiffer in seinem dreiaktigen Theaterstück Laternenfest (1957) einer optimistischen Variation des Stoffes. Hier sind es ein Amerikaner und eine Japanerin, deren Väter sich im Zweiten Weltkrieg feindlich gegenübergestanden haben. Während die Väter an ihrer Feindschaft und ihrem Hass zugrunde gehen, setzen James und Yuki auf Frieden und Völkerverständigung. Pfeiffers Stück konnte in Ost- und West- deutschland reüssieren, allerdings warfen ihm Kritiker eine zu starke Orientie- rung am Original vor, „ohne dabei zu berücksichtigen, daß mit dieser verein- fachten Fabelführung die Probleme der Menschen unserer Zeit und die Dialektik des Friedenskampfes nicht ausreichend sichtbar gemacht werden kön- nen“.55 Dagegen wurde Oelschlegel 1956, zusammen mit Ingeborg Bachmann, für sein Debüt mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet. Die Erstausstrahlung des Hörspiels durch den Nordwestdeutschen Rundfunk fiel zufällig auf den 17.  Juni 1953, den Tag des Volksaufstands in der DDR. Im Verlauf der 1950er-Jah- re folgten vier weitere Ausstrahlungen, bald unter dem neuen Titel Romeo und Julia in Berlin, zumeist in zeitlicher Nähe zum „Tag der deutschen Einheit“.56 Der Konflikt zwischen den Systemen ist in Oelschlegels Theaterstück räum- lich konzentrierter und in eine Kneipe unmittelbar an der Sektorengrenze auf der östlichen Seite von Berlin verlegt. Hier treffen nicht nur Ost auf West unmit- telbar aufeinander, sondern auch die Welten der Familien Lünig und Brink. Der Kommunist Paul Lünig, der die Kneipe von Hans Brink, Parteimitglied der Christ- lich Demokratischen Union (CDU) gepachtet hat, bei dem er auch als Untermie- ter wohnt, ist bis aufs Blut mit diesem verfeindet. Dennoch verlieben sich ihre Kinder ineinander: Judith Lünig bietet dem sich auf der Flucht vor der Volkspo- lizei in den Westen befindlichen Karl Brink ein sicheres Versteck. Als Karl ein letztes Mal in den Osten zurückkehrt, um Judith abzuholen, die er mittlerweile 55 Werner Mittenzwei: Kampf der Richtungen. Strömungen und Tendenzen in der internationa- len Dramatik. Leipzig: Reclam 1978, S.  405. 56 Helmut Peitsch: Etwas Besonderes: Hörspiel in Berlin. In: Berliner Kulturrat (Hg.): Eine Kul- turmetropole wird geteilt. Literarisches Leben in Berlin (West) 1945 bis 1961. Berlin: H.  Hee- nemann 2000, S.  103–115. Übertragungen des „Romeo und Julia“-Stoffes in den Kalten Krieg 113
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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