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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 119 -
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gestört wird, die verkünden, dass die Konferenz abgebrochen wird und sie ihre Abreise wünschen. Als sich die Vier von Simone verabschieden, taucht ein Mann in der Regenpelerine auf, bei dessen Anblick Simone ohnmächtig zusammen- bricht. Der dritte Akt beginnt mit einem unheilvollen Gewitter und einem Monolog von Josef, der als Jude und Emigrant charakterisiert wird, der die gefährliche Weltlage mit dem Verhältnis der vier Chauffeure zueinander vergleicht: „Als ob ein und derselbe Narr sich in vier Spiegeln spiegelte! Und alle vier Spiegel zusam- men werfen das Weltbild zurück.“ (SF 93). Während eine durch das Unwetter zusammengestürzte Brücke die Abreise der Vier verhindert, erschießt Simone mit Alexejs Dienstwaffe den Mann in der Regenpelerine, dessen Identität zunächst noch unklar bleibt. Die Vier wollen Simone bei der Vertuschung des Mordes helfen, denn Simone nennt den ge heim- nisvollen Mann als denjenigen, der sie nächtlich überfallen hat. Als der tot geglaubte zurückkehrt, – es war nur ein Streifschuss –, stellt sich Simone zur Überraschung aller auf dessen Seite. Der Mann gibt sich als Nervenarzt Dr.  Mer- cier zu erkennen, und erklärt, dass Simone seine Patientin ist, die unter „eine[r] schweren Neurose – eine[r] Verwirrung der Seele“ (SF 106) leide, wie er sich äußert. Alles, was Simone sagt, ist „in einem gewissen Sinne“ wahr. „Lüge ist immer ein Teilchen Wahrheit und Simone hat den Brennspiegel verloren, der die Teilchen sammelt. […] Sie alle, wie Sie hier versammelt sind – werden bin- nen kurzen in Simones Welt ebenso irreal sein, wie es für Sie die Simone war, die Sie kannten“ (SF 106  f.). Am Schluss des Stücks einigen sich die vier Delegierten schließlich, die vier Chauffeure legen ihre Differenzen bei und die Friedensglocken ertönen. Lesbar wird die Symbolik des Stücks vor dem Hintergrund Österreichs und der vierfachen Besetzung zwischen 1945 und 1955: Simone ist mit Österreich gleichzusetzen, die vier Chauffeure augenscheinlich mit den jeweiligen Besat- zern des Landes.67 Mit der Figur der Simone im Stück geht eine große Ambiva- lenz einher. Einerseits führt sie die Besatzungsmächte an der Nase herum, wodurch sich diese bei ihrer „Werbung“ um Simone lächerlich machen, ande- rerseits benötigt sie einen Nervenarzt, ihre eigene Vergangenheit und Zukunft sind ihr nicht erinnerlich, sie steht noch unter Schock. Dennoch schafft sie es mit den Mitteln der Manipulation, zwischen den vier Vertretern der Weltmäch- te Streit auszulösen und sorgt dafür, dass diese einem „Phantom“68 nachlaufen. 67 Ein Rezensent der Arbeiter-Zeitung bietet eine andere Leseweise an, Simone wäre „nur ein Symbol für die Welt von heute, die durch alle Kriegsnot und alles Menschenleid gegangen ist; durch den ganzen Irrsinn des letzten Jahrzehnts, um schließlich selbst in einem Irrenhaus zu landen“. Vgl. Z.o.: Simone und der Friede, S.  5. 68 Barbara Porpaczy: Frankreich – Österreich, 1945–1960: Kulturpolitik und Identität. Innsbruck, Wien, Bozen: Studien-Verl. 2002, S.  211. Vierfache Besetzung: Simone und der Friede 119
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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