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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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angeleuchtet“86 wird, nebensächlich. Der angemessenen Rezeption durch die Zeitgenossen standen dem Roman vor allem die erotischen Szenen im Weg, an denen sich viele Rezensenten störten. Einen anderen Weg, den der indirekten Kritik, nahm der Zeit-Redakteur R.  W. Leonhardt: Ludwig Marcuse sollte den Roman und Neumann Marcuses Monographie Obszön (1962) parallel rezensie- ren, wobei schlussendlich nicht Rezensionen, sondern der zwischen den beiden Autoren geführte Briefwechsel zum Abdruck gelangte. Marcuse lobte die „Pseu- do-Lesberei“, meinte jedoch, dass die „beiden hungrigen Damen nicht der Mit- telpunkt“ wären, sondern der „Kommissar Kostja und seine westliche Paral- lel-Aktion“.87 Damit widersprach er der Eigeninterpretation Neumanns eminent, der das Gegenteil konstatierte. Gerade in Bezug auf den politischen Hintergrund macht Marcuse ihn jedoch darauf aufmerksam, dass er seine eigenen Figuren, Gaston und Kostja, unterschätzen würde: „die beiden Helden sind als Figuren von oben bis unten viel mehr da als die beiden Frauen (falls ich richtig sehe). Sie tun sich Unrecht, wenn Sie den Kommissar und den andern zu Hilfsfiguren der Mädchenstory degradieren.“88 Neumann erklärte sich betrübt über Marcu- ses „Reserve dem politischen Hintergrund gegenüber, den Sie für den Vorder- grund halten“ und stand zu seiner, von Marcuse kritisierten Figur Kostja, der sich auch, nachdem er seinen Wunsch, zum Westen zu konvertieren, ausgespro- chen hat, „immer noch und trotz allem“89 als Kommunist bezeichnet und nicht zu einem zum Kapitalismus Bekehrten avanciert. Zu einem politischen Akt wird eine Liebesbeziehung in Friedrich Torbergs Roman Die zweite Begegnung90. Wie ein zeitgenössischer Rezensent festgehalten hat, berichtet der Roman von der „scharfen Bitternis der Enttäuschung über die Vergeblichkeit des Kampfes gegen die Nazidiktatur durch das Heranschreiten und die Machtergreifung eines anderen Regimes auf dem freigekämpften Weg“.91 Gleichzeitig betont er, dass es eine Liebesgeschichte sei, die „den Rahmen zur romanhaft-zeitgeschichtlichen Aussage“ über den kommunistischen Coup d’état in der Tschechoslowakei abgebe. Torbergs Roman transportiert seine ideologi- sche Botschaft durch das Vehikel einer Liebesgeschichte, nicht zuletzt „des ver- legerischen Effektes wegen“,92 die politische Dimension des Textes dadurch leich- 86 Kricheldorff: Robert Neumann: Festival, S.  144. 87 Ludwig Marcuse, Robert Neumann: Statt einer Besprechung: Hildebrandslied 1962, oder: Wäscht eine Hand wirklich die andere? In: Die Zeit, 26.10.1962, S.  19. 88 Ebd. 89 Ebd. 90 Friedrich Torberg: Die zweite Begegnung. 3. Aufl. München: Langen Müller 1977 [Im Folgen- den mit ZB abgek.]. 91 hub [= Felix Hubalek]: Kunst und Kultur. Bücher unserer Zeit. In: Arbeiter-Zeitung, 15.12.1950, S.  4. 92 William Schlamm an Friedrich Torberg, Brief vom 1.9.1950, zit. n. Frank Tichy: Friedrich Tor- berg. Ein Leben in Widersprüchen. Salzburg: Otto Müller 1995, S.  174. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 128 3 Romeo und Julia im Kalten Krieg
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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