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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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theorien“ angesehen werden, die später „wegen ihres strikt antikommunistischen Charakters zwar nicht vergessen, aber doch verdrängt“10 wurden. Das Vorgehen der Stalinisten gegen die Anarchisten im Spanischen Bürger- krieg, die entsetzten Berichte von einst linientreuen Marxisten wie Panaït Istra- ti (1929) oder André Gide (1936) von ihren Sowjetunion-Reisen sowie die sich verbreitenden Erzählungen von den Moskauer Schauprozessen wurden für Sper- ber, Koestler und Orwell zum Auslöser für den Ablösungsprozess vom Kommu- nismus. Die damit verbundene Geburt des Renegaten, der zu jener Gruppe von Intellektuellen zählte, die sich enttäuscht vom „Gott der keiner war“ abwandte, verband sich in den Zeitläufen des Kalten Krieges mit politischen Kontrover- sen.11 Die wirkungsmächtigste Organisation der intellektuellen Gegner des Totali- tarismus war der „Kongress für kulturelle Freiheit“ (CCF), der erstmals im Juni 1950 in Berlin stattfand und sich in der Folge als internationale Vereinigung institutionalisierte.12 Ein Großteil der Teilnehmer war in nationalsozialistischen, faschistischen oder stalinistischen Gefängnissen oder Lagern inhaftiert gewe- sen, was den dominierenden, moralisch begründeten, leidenschaftlich vertrete- nen Antitotalitarismus erklärt, der sich als Grundideologie des CCF durchsetz- te. Das Manifest des CCF beschrieb die „Theorie und Praxis“ des totalitären Staates als die „größte Bedrohung […], der sich der Mensch in seiner überschau- baren Geschichte bisher gegenübergesehen hat“.13 Das Manifest, das in der Tra- dition der US-amerikanischen Bill of Rights von 1789 stand, fasst als Zentrum die „Freiheitsideale in allen denkbaren Variationen“ und vertrat einen „weithin konsensfähigen, individualistisch-aufgeklärten Antikommunismus“14. Der CCF strebte die geistige Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Totalitaris- 10 Wolfgang Wippermann: Totalitarismustheorien. Die Entwicklung der Diskussion von den Anfängen bis heute. Darmstadt: Primus 1997, S.  5. 11 Die „God-That-Failed“-Gruppe meinte diejenigen Intellektuellen, die vom Kommunismus desillusioniert waren oder sich noch nicht für eine Seite im Kalten Krieg entschieden hatten und in ihrer Entscheidung von renommierten Kollegen beeinflusst werden konnten. Die Antho- logie The God that failed (1952), herausgegeben vom britischen Sozialdemokraten Richard Crossman, galt als „antikommunistisches Manifest“. Das Buch wurde von amerikanischen Regierungsstellen in ganz Europa verbreitet. Vgl. Rohrwasser: Der Stalinismus und die Rene- gaten, S.  12; Ernst-August Roloff: Exkommunisten. Abtrünnige des Weltkommunismus. Ihr Leben und ihr Bruch mit der Partei in Selbstdarstellungen. Mainz: Hase & Koehler Verl. 1969. 12 Vgl. Peter Coleman: The Liberal Conspiracy. The Congress for Cultural Freedom and the Strug- gle for the Mind of Postwar Europe. New York, London: Macmillan 1989, S.  9. 13 Vgl. Michael Hochgeschwender: Freiheit in der Offensive. Der Kongreß für kulturelle Freiheit und die Deutschen. München: Oldenbourg 1998, S.  242  f. Die Wiener Arbeiter-Zeitung druckte das Manifest ab, vgl. N.N.: Das Manifest von Berlin. In: Arbeiter-Zeitung 5.7.1950, S.  4. 14 Hochgeschwender: Freiheit in der Offensive, S. 243. Totalitarismus – Antitotalitarismus 135
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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