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men an15 und stieß auch bei österreichischen Persönlichkeiten des wissenschaft-
lichen, kulturellen und literarischen Feldes auf Interesse. Die österreichische
Delegation, die 1950 zum CCF nach Berlin eingeladen wurde, setzte sich aus
dem SPÖ-Politiker Peter Strasser, dem Schriftsteller Rudolf Brunngraber, dem
Physiker Hans Thirring, dem Journalisten Felix Hubalek und dem Widerstands-
kämpfer und Journalisten Fritz P. Molden zusammen.16 Alexander Lernet-Ho-
lenia, Hans Weigel und Friedrich Heer sprangen im letzten Moment ab.17 Stand
der Totalitarismusbegriff in den 1950er-Jahren bei westlichen Intellektuellen
hoch im Kurs, so wurde er „von den meisten schnell aufgegeben, als der Terror
nicht mehr das bestimmende Moment der sowjetischen Herrschaft war und die
amerikanische Containment-Politik durch Détente ersetzt wurde“.18 Als dann
die New York Times im April 1966 enthüllte, dass der CCF über Tarnorganisa-
tionen von der CIA finanziert wurde, war die von ihm vertretene Totalitaris-
mustheorie endgültig diskreditiert.
Darstellungsformen des Totalitarismus
Zahlreiche österreichische Autoren, darunter Milo Dor, Reinhard Federmann,
Rudolf Henz, Friedrich Torberg und Joseph Wechsberg, haben sich in ihren
Werken mit dem Totalitarismus befasst. Vor allem Autoren, die dem Kommu-
nismus kritisch bis feindlich gegenüberstanden, sahen darin einen literarischen
Weg, auf die „Bedrohung“ aus dem Osten zu reagieren. Das Spektrum der tota-
15 Ebd., S. 41.
16 Memorandum von Melvin Lasky, 19.6.1950, Regenstein Library, Chicago, Der Monat Papers,
Box
10, Folder
6. Felix Hubalek, der zum Kongress eingeladen wurde, berichtete in der Arbei-
ter-Zeitung, dass aufgrund „kommunistische[r] Drohungen und Anpöbelungen“ einige
österreichische Teilnehmer, vor allem von der ÖVP, abgesagt hätten, erwähnte jedoch die
Katholiken aus vielen verschiedenen Ländern, die durch ihre Teilnahme bewiesen, dass ihnen
„die Freiheit der Kultur am Herzen und die Feigheit und das Sumpertum ihrer österreichischen
Gesinnungsgenossen so ferne liegt wie diesen selbst die Zivilcourage“. Felix Hubalek: Kongreß
in Berlin. In: Arbeiter-Zeitung, 7.7.1950, S. 4.
17 Der Herausgeber des Monat und Organisator des Kongresses Melvin Lasky schrieb an Elisa-
beth von Liebl, die in der „Feature Section“ des Wiener Kurier arbeitete und die Teilnahme
der österreichischen Intellektuellen koordinieren sollte: „[...] ich gestehe, dass ich etwas ent-
mutigt und bestuerzt ueber die letzten Berichte aus Wien bin, dass so viele Leute aus diesem
oder jenem seltsamen Grunde ihre Teilnahme abgesagt haben. Sicherlich haben Sie alles getan,
was Sie tun konnten, und der Fehler liegt offenbar, wenn er ueberhaupt bei irgendjemandem
liegt, an dem kleinlichen Parteigeist derjenigen werten Herren, welche die Bluete der westli-
chen Kultur im fernen oestlichen Oesterreich darstellen. […]“ Melvin Lasky an Elisabeth Liebl,
Brief v. 8.6.1950, Regenstein Library, Chicago, Der Monat-Papers, Box 10, Folder 6.
18 Rabinbach: Begriffe aus dem Kalten Krieg, S. 22.
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136 4 Totalitarismus: die innere Geschichte des Kalten Krieges
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Titel
- Diskurse des Kalten Krieges
- Untertitel
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 742
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918