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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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litarismuskritischen Texte reicht von unversöhnlich antikommunistischen Dar- stellungen wie in Torbergs Die zweite Begegnung (1950)19 oder in Wechsbergs Der Stalinist (1970, Englisch bereits 1954 unter dem Titel The Self-Betrayed) bis zu differenzierten Innenansichten des kommunistischen Terrorsystems und der darin verstrickten Individuen wie in Federmanns Himmelreich der Lügner (1959). Eine Totalitarismustheorie en miniature „Einen einzigen Fehler wird die Demokratie nicht länger begehen dürfen“, so Martin Dub, der Protagonist von Torbergs Roman Die zweite Begegnung (1950), daß sie dem totalitären Ansturm erlaubt, außer ihren Fehlern auch noch ihre Vorzüge auszunützen. Das Zetermordio der Diktatur-Partisanen, daß sie da- mit aufhört, eine Demokratie zu sein, wird sie in Kauf nehmen müssen. Man kann aus Angst vor dem Tod Selbstmord begehen, vielleicht auch noch aus Angst vor dem Mord, aber keinesfalls aus Angst vor dem Rufmord. (ZB 163  f.) Diese Warnung findet sich in den Tagebuchaufzeichnungen von Dub – der unzweifelhaft auch Züge des Autors trägt20 –, die ihm als Reflexionsübung im Zeitalter des Totalitarismus dienen und seine politische Entwicklung widerspie- geln. Anhand dieser Tagebucheinträge expliziert Torberg literarisch, was er ab 1954 wirkungsmächtig in seiner Zeitschrift Forvm, den „Monatsblättern für die Freiheit der Kultur“, finanziert durch den CCF,21 immer wieder im realpoliti- schen Kontext formulieren wird. Bereits im Exposé für die Planung des Forvms fasste Torberg unter Funktion und Wirkung der Zeitschrift zusammen, dass sie 19 Der Roman erschien 1950 im S. Fischer Verlag, der Verlag der US-amerikanischen Informati- on Service Branch „Neue Welt“ in Wien brachte im selben Jahr eine Lizenzausgabe. Als Fort- setzungsroman erschien er ab Dezember 1951 in der Beilage für Abonnenten in der Sonntag- sausgabe der Presse. Torberg las daraus in verschiedenen deutschen Radiosendern, etwa 1953 beim Rundfunk im amerikanischen Sektor (RIAS). 20 Torberg, der sich beim „Anschluss“ Österreichs 1938 in Prag befand, emigrierte nach Zürich, wohin ihm die Schauspielerin Marion Wünsche folgte, die an das Zürcher Schauspielhaus enga- giert wurde. 1939 erhielt er eine Einreiseerlaubnis nach Frankreich und meldet sich bei Aus- bruch des Zweiten Weltkrieges, wie seine Romanfigur Martin Dub, zum Dienst bei der tschechos- lowakischen Exilarmee. 1940 wird ihm auf Vermittlung von Erika Mann ein Visum für die Einreise in die USA gewährt, wohin er emigriert und als einer der „Ten Outstanding German Anti-Nazi Writers“ einen Vertrag bei Warner Bros. in Hollywood erhält. 21 Vgl. Anne-Marie Corbin: „Das Forvm ist mein Kind“. Friedrich Torberg als Herausgeber einer publizistischen Speerspitze des Kalten Krieges. In: Marcel Atze, Marcus  G. Patka (Hg.): Die „Gefahren der Vielseitigkeit“. Friedrich Torberg 1908–1979. Wien: Holzhausen 2008, S.  201– 221. Darstellungsformen des Totalitarismus 137
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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