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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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die gesamte zivilisierte Welt.29 Die nach außen hin legale Machtergreifung durch die Kommunisten sieht Dub als „lange und gründlich geplanten Putsch, der im entscheidenden Augenblick von einer Einmarschdrohung Moskaus unterstützt wurde“ und er weist auf die „letzte[n] Demonstrationsversuch[e] der freiheitlichen Studenten“ (ZB 13) hin, die durch das brutale Eingreifen der Polizei sowie die „bewaffneten Aktions-Komitees der KP“ (ZB 14) niedergeschlagen worden waren und „die Straßen der Stadt so gründlich beherrscht[en]“, dass „sich kein Wider- stand entwickeln konnte und nicht einmal Jubel“. (ebd). Martin kritisiert, ebenso wie der US-amerikanische Historiker und Diplomat George  F. Kennan in seinem „Langen Telegramm“ (1947),30 auf dessen Konzept die sogenannte „Containment“-Politik zurückgeht, den Expansionismus der Sowjetunion (vgl. ZB 89), der als Bedrohung für die „freie Welt“ wahrgenom- men wird. Die vom Kommunismus prolongierten Begriffsverwirrungen lenken darüber hinaus, so Dub, dann auch von seinem eigentlichen Wesen durch Phra- sen, wie „Volksdemokratie“ ab, die ein Widerspruch in sich selbst seien. Dub kritisiert den pleonastischen Aspekt des Begriffs, denn „‚Demokratie‘ [heißt] wörtlich ‚Volksherrschaft‘“, und dadurch wäre „‚Volksdemokratie‘ ein ebensolcher Pleonasmus […] wie aristokratischer Adel, runder Kreis oder kommunistische Diktatur“ (ZB 90). Die Reihung von Pleonasmen führt zu einer polemischen Pointe, indem die letzte Adjektiv-Substantiv-Kombination ebenfalls als Pleonas- mus bezeichnet wird, der den Kommunismus explizit mit Diktatur gleichsetzt. Solche rhetorischen Verfahren finden sich später im Forvm zuhauf. Der „kommunistische Totalitätsanspruch“, womit Dub „nicht so sehr die poli- tische Wirklichkeit der Sowjet-Union“ (ZB 57), sondern die „Forderung nach rest- losem Einverständnis mit allen Lehren des Marxismus“ (ZB 58) meint, kritisiert er bereits 1937: Es scheint, daß man keiner einzigen widersprechen darf, ohne in den Verdacht zu geraten, daß man eigentlich das ganze Gebäude unterminieren will, das der Mar- 29 Vgl. Bischof: „Prag liegt westlich von Wien“, hier S. 318. 30 Kennans Analyse der Sowjetunion kommt zu folgendem Schluss: „Der Staatsapparat des Sow- jetregimes, wie wir ihn heute kennen, ist sehr weitgehend von den folgenden zwei Faktoren geformt worden: von dem Streben nach unbeschränkter Macht im Inneren und von der Kul- tivierung des fast mythischen Glaubens, daß das Ausland von unversöhnlicher Feindschaft gegen das neue Rußland erfüllt sei.[…] Die eiserne Disziplin der Partei, die Erbarmungslosig- keit und Allgegenwart der Geheimpolizei und das kompromißlose Wirtschaftsmonopol des Staates wurden die Grundpfeiler der Sowjetmacht. […] Man kann demnach den Druck, den die Sowjetunion auf die freien Institutionen der westlichen Welt ausübt, weder durch Beschwö- rungen noch durch Reden aus der Welt schaffen. Wohl aber kann man ihm Schranken setzen, indem man […] einen Gegendruck ausübt, der alle Sprünge und Manöver der Sowjetpolitik pariert.“ X [= George  F. Kennan]: Bemerkungen zur Politik der UdSSR (aus „Foreign Affairs“). In: Die Amerikanische Rundschau 4 (1948) H.  17, S.  3–17. Darstellungsformen des Totalitarismus 141
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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