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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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xismus für die Menschheit errichtet. Und damit ist man im Geistigen der gleichen Erpressung ausgesetzt wie im Politischen. (ebd.) Torberg lässt keinen Zweifel daran, dass Martin Dub als literarische Figur den Kommunismus grundlegend ablehnt. Auch „ohne daß sie mich gefährden, blei- be ich ihr Gegner“, konstatiert er gegenüber seinem Jugendfreund Jan Dvorsky, der nach 1948 vom sozialdemokratischen ins kommunistische Lager konvertiert, hinsichtlich der Methoden der totalitären Diktatur: „Denn wenn schon der blo- ße Umstand, daß mir persönlich nichts geschieht, mich von meiner Gegnerschaft abbringen könnte, wäre ich ja wirklich ein Opportunist und meine Gegnerschaft wirklich nichts weiter als antikommunistischer Kram.“ (ZB 286) Die persistente Parallelisierung der beiden totalitären Systeme des 20.  Jahr- hunderts ist dem Roman strukturell eingeschrieben und reicht von der Mikro- ebene der politischen Aufzeichnungen Dubs bis zur Makroebene der Erzähl- struktur. Immer wieder vergleicht der Erzähler Martins Lebensumstände in den Jahren 1939, bedroht durch den Nationalsozialismus, und 1948, bedroht durch den Kommunismus, miteinander, denn in beiden Jahren ist Dub aufgrund sei- ner Opposition gegen ein totalitäres System gezwungen, die ČSSR zu verlassen. Auch in den zentralen Motiven des Romans, Verfolgung, Versteck, geheime Lie- be und Flucht, in Schauplätzen und Nebenfiguren, schäbigen Hotels, geheimen Treffpunkten, Schleichwegen und heimlichen Helfern wiederholen sich die wesentlichen Erfahrungen des durch die Machtübernahme der Nationalsozia- listen verursachten Exils, die Torberg nun in antikommunistischer Absicht aktu- alisiert. Es ist eine Totalitarismustheorie en miniature, die Torberg in seinem Roman entwirft. Seine Kritikpunkte entsprechen freilich nicht einem differenzierten Theoriegebäude, wie jenem von Hannah Arendts Elemente und Ursprünge tota- ler Herrschaft (The Origins of Totalitarianism, 1951, dt. Ausgabe 1955), deren Ansatz sich auf die Ideologie des totalitären Staates und den Terror als dessen grundlegendes Wesen konzentrierte, oder Carl Joachim Friedrichs und Zbig- niew Brzezinskis Totalitarian Dictatorship and Autocracy (1956), das mit klassi- fikatorischen Methoden ein Modell vorstellte, das von zahlreichen Totalitaris- mustheoretikern und -theoretikerinnen modifiziert wurde.31 Letzteres ist für Torbergs Konzeption des Totalitarismus in Die zweite Begegnung aufschlussreich, 31 Die – umstrittene – wissenschaftliche Definition des Totalitarismus setzt sich in der Theorie von Friedrich und Brzezinski aus folgenden sechs Punkten zusammen: einer (1) umfassenden Ideologie, beruhend auf Doktrinen mit Wahrheitsanspruch, die alle Aspekte der menschlichen Existenz abdecken, (2) einer strikt hierarchisch aufgebauten einzigen Massenpartei, typischer- weise unter einem einzigen Anführer, die sich (3) einer terroristischen Geheimpolizei bedient und (4) über das alle Medien betreffende Monopol sowie (5) das Waffenmonopol und (6) eine zentral gelenkte Wirtschaft verfügt. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 142 4 Totalitarismus: die innere Geschichte des Kalten Krieges
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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