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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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mittels des vereinigenden Konzepts des Totalitarismus zusammen. Wie Rabin- bach ausführt, verdunkelte der Begriff „die moralischen und politischen Ambi- valenzen“ und war in seiner praktischen Anwendung insbesondere dazu geeig- net, „alle möglichen politischen Orientierungen zu überbrücken“,35 selbst ehemalige Nationalsozialisten, die als Antibolschewisten leicht in die Riege der Antikommunisten wechseln konnten. Dass Torberg die konsolidierende Funktion, die dem Begriff zu eigen war, durchschaute, wird an einer Stelle von Die zweite Begegnung deutlich: Martin konstatiert, dass sich „hinter den Fahnen des antikommunistischen Kreuzzuges allerlei übles Gelichter“ (ZB 166) sammelt. Das „üble Gelichter“ impliziert die ehemaligen Nationalsozialisten, denen die Totalitarismustheorie dazu diente, sich „ohne große Schwierigkeiten an den Antitotalitarismus“36 zu assimilieren und ihre eigene Verstrickung in ein Terrorregime zu verdecken. In diesem Kon- text erwähnt sei der nationalsozialistische österreichische Schriftsteller Bruno Brehm, der 1944 von Hitler in die „Gottbegnadeten-Liste“ aufgenommen wor- den war und dessen Werk sich nach 1945 auf der „Verbotsliste“ der US-ameri- kanischen Besatzungsmacht befand. Brehm konnte sich jedoch in der Zweiten Republik bald wieder im Literaturbetrieb etablieren. In seinem Buch Am Rande des Abgrunds (1950) beschreibt er die europäische Geschichte „von Lenin bis Truman“, indem er zeitgeschichtliche Zusammenhänge nivelliert und den Wan- del vom Antibolschewismus zum Antikommunismus vollzieht. Das „Geschichts- werk“ erreichte bis 1952 die vierte Auflage und zitiert ausführlich aus antikom- munistischen Broschüren, wie z.B. Dallins und Nikolaevskys Zwangsarbeit in Sowjetrußland hinsichtlich einer „Analyse“ des sowjetischen Gulag-Systems. In den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern versucht Brehm hingegen, das „kleinere Übel“ zu sehen, was durch eine Chronologie des Terrors gerechtfertigt werden soll: Was ist nun das schlimmere Prinzip? Jeder mag es für sich entscheiden. Jedenfalls sollten die Ankläger, die wegen der Verletzung der Menschenrechte aufstehen und hinweisen auf die Rückschläge, die die zivilisierte Welt mit Aufkommen der Konzentrationslager Hitlers erlebt hat, nicht eines vergessen: Hitler […] kam erst, nachdem das mächtige Reich des sehr viel klügeren Stalin schon fünfzehn Jahre bestand.37 35 Rabinbach: Begriffe aus dem Kalten Krieg, S. 15. 36 Ernst Hanisch: Die Präsenz des Dritten Reiches in der Zweiten Republik. In: Wolfgang Kos (Hg.): Inventur 45/55. Österreich im ersten Jahrzehnt der Zweiten Republik. Wien: Sonderzahl 1996, S.  33–50, hier S.  41. 37 Bruno Brehm: Am Rande des Abgrunds. Von Lenin bis Truman. 4. Aufl. Graz, Göttingen: Sto- cker Verl. 1952, S.  635. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 144 4 Totalitarismus: die innere Geschichte des Kalten Krieges
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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