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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 148 -
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„Freie Zeitung“ sowie politische Organe junger katholischer Gruppen schreibt, muss feststellen, dass die Medien in kommunistischen Besitz übergehen oder eingestellt werden. Dieses Thema findet sich auch in antikommunistischen Bro- schüren dieser Zeit. So imaginiert etwa Die Presse unter dem Stalinismus, 1952 anonym erschienen, eine solche Gleichschaltung der Medien in Bezug auf Öster- reich, um die Leserschaft aufzurütteln: Stellen Sie sich Österreich ohne die namhaften Wiener Zeitungen vor […]. Stel- len Sie sich vor, daß Sie in Österreich nur mehr das lesen können, was heute die ‚Volksstimme‘ bietet. Stellen Sie sich vor, daß alle österreichischen Zeitschriften aus den Kiosken ver- schwinden, und daß keine ausländischen mehr importiert werden; […]. Stellen Sie sich den Spielplan des Burgtheaters und der Staatsoper vor im Zeichen der führenden sowjetischen Autoren, und sämtliche Radioprogramme im Zeichen Moskaus oder als Sprachrohr der Kommunistischen Partei. Stellen Sie sich vor, daß viele Bücher der Nationalbibliothek und aller anderen österreichischen Bib- liotheken entfernt und verbrannt werden, um den gesammelten Werken von Le- nin, Stalin und Genossen Platz zu machen.46 Die Broschüre führt nicht nur im Detail eine zentralisierte, von Moskau ausge- hende Zensur vor, sondern versucht die Auswirkungen des totalitären Systems auf die gesamte Kultur darzustellen. Eine weitere Komponente von Torbergs Antitotalitarismus ist die Religion, die in seinem Roman jedoch in den Hintergrund tritt. Hinsichtlich der „Dikta- tur-Anfälligkeit des heutigen Menschen“ hat Torberg an anderer Stelle festge- halten, dass sich diese für ihn aus der Frage des Menschen „nach seiner Bezie- hung zu Gott“ entwickeln lässt. Er unterstreicht, dass, wer diese Frage nicht hört, „ein zentrales Anliegen meiner schriftstellerischen Bemühung“47 überhören würde. Dub kritisiert, dass der Kommunismus es vorziehe, die Grundlage der Religion zu vernichten und sie „durch eine andre, noch nicht dagewesene“ zu ersetzen, „die mit dem ‚Guten im Menschen‘ schon deshalb nichts zu tun hat, weil sie den Begriff des ‚Guten‘ nicht anerkennt und dem Begriff des Menschen einen neuen Inhalt gibt“ (ZB 87). 1958 fasst Torberg in einem Artikel zum zehnten Jahrestag des kommunisti- schen Putsches in der Tschechoslowakei zusammen, dass die Menschen in der ČSSR „sich mit ihrem Regime und ihrem Leben abfinden, nicht obwohl, son- dern weil sie ein westliches Volk mit demokratischen Traditionen sind“ und 46 N.N.: Die Presse unter dem Stalinismus. Wien: Verlag Neue Welt 1952, S. 1. 47 Friedrich Torberg: Diktatur-Anfälligkeit des heutigen Menschen. In: Der Monat 5 (1953) H.  57, S.  330. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 148 4 Totalitarismus: die innere Geschichte des Kalten Krieges
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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