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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Seite - 149 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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datiert das Jahr 1948 als das Ende der „europäischen Expansion des Moskauer Herrschaftsbereichs“ und als den Anfang des „zielbewußte[n] Widerstand[s] des Westens“.48 In der Novelle Nichts leichter als das49 variiert Torberg die Textstrategie von Die zweite Begegnung. Hier flüchtet ein Dr.  M. nach dem KP-Putsch im Oktober 1948 aus Prag nach Paris. Der sozialdemokratische Abgeordnete und „scharf antitotalitäre“ (NLAD 453) Publizist berichtet einer Abendgesellschaft, beste- hend aus dem Erzähler, einer Amerikanerin und deren Gatten, die Umstände seines Lebens im Untergrund und seiner Flucht. M., der bereits unter den Nazis im Konzentrationslager interniert war, wird Zeuge eines „tödliche[n] Zerset- zungsprozeß[es]“ (NLAD 456), der alle Menschen des 20.  Jahrhunderts ergrif- fen hat und den er mit einer Krankheitsmetapher50 als „politischen Knochen- fraß“ benennt: Unser ganzes Leben ist von ihm verwüstet. Er hat sich an unser Innerstes, an unser Intimstes herangefressen und bis in unsre Eingeweide hinein. Ein jeder von Ihnen wird vermutlich andre Erinnerungen an den Beginn der Erkrankung haben. Ich selbst nahm die ersten Symptome um 1933 wahr, zur Zeit des Nazi-Umschwungs in Deutschland. (NLAD 456) Auch hier macht Torberg deutlich, dass sich mit dem Erstarken des Nationalso- zialismus in den 1930er-Jahren eine neue Form der Ideologie ausbreitete, die mit einer Krankheit vergleichbar ist und ihre Fortsetzung in der totalitären Regierungsform des realen Sozialismus fand. Beiden Systemen wird attestiert, dass sie sich bis ins Innerste der Gesellschaft ‚herangefressen‘ haben, um die Kontrolle über das Individuum zu übernehmen. Dies impliziert totale Überwa- chung und Kontrolle des Staatsbürgers. Während Torberg mit Die zweite Begegnung recht klar propagandistische Zie- le verfolgte, was sich in einer simplen Gleichsetzung von Kommunismus und Nationalsozialismus in der narrativen Struktur und einer stark lehrhaften poli- tischen Argumentation niederschlägt, gibt es in der österreichischen Literatur auch differenziertere Versuche einer Auseinandersetzung mit dem totalitären 48 Friedrich Torberg: Ein Jahrzehnt verlorener Freiheit. Zum 10. Jahrestag der kommunistischen Machtergreifung in der Tschechoslowakei. In: Forvm  5 (1958) H.  51, S.  95–97, hier S.  97. 49 Friedrich Torberg: Nichts leichter als das. Novelle. In: Forvm 3 (1956) H.  36, S.  453–458. Die Novelle erschien auch in Hermann Kesten: Unsere Zeit. Die schönsten deutschen Erzählungen des 20.  Jahrhunderts. Köln [u.a.]: Kiepenheuer & Witsch 1956. 50 Die Krankheitsmetapher dient als Schnittstelle zwischen medizinisch-naturwissenschaftlichen und politischen Diskursen, derer sich etwa Arthur Koestler bediente, wenn er sich auf das tota- litäre System bezog. Vgl. Elisabeth Prinz: Im Körper des Souveräns. Politische Krankheitsme- taphern bei Arthur Koestler. Wien: Braumüller 2011, S.  32. Darstellungsformen des Totalitarismus 149
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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