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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 162 -
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gungen dieses Themenkomplexes. Kalten Kriegern wie Friedrich Torberg war die Position der „Fellowtraveller“, die den Osten und den Westen gleichsetzten, eine stete Provokation, weswegen er sie immer wieder angriff.76 Mit der Zuspit- zung des Kalten Krieges wurde der Begriff immer willkürlicher, aggressiver und pejorativer verwendet, v.a. im Amerika der McCarthy-Ära.77 Für Ignazio Silone ist die „Behandlung, die den Künstler und Schriftsteller unter totalitären Regierungsformen zuteil“ wird, gleichzusetzen mit einer „bru- tale[n] Vergewaltigung der geistigen Selbständigkeit“.78 Aber auch der andere Weg, den „Schriftsteller und Künstler einschlagen, um ihrerseits der lästigen Pflicht freier Menschen zu entfliehen, führt in eine ganz andere, ja sogar entge- gengesetzte Richtung“: Diejenigen, die „ihr Heil in den fertig gelieferten, vorge- kauten Glaubensbekenntnissen der totalitären Parteien“79 suchen, würden den Säuberungen anheimfallen, da sich die ästhetischen, thematischen und politi- schen Vorgaben des Regimes immer wieder ändern würden. Silone verdeutlicht, dass die Wirkungsgeschichte des „Stalinismus“ nicht nur in seiner Dimension als „Repressions- und Terrormaschinerie“ zu verstehen ist, sondern auch in sei- ner enormen Anziehungskraft auf Intellektuelle, die er bereits während der 1920er-Jahre entfaltete und womit Intellektuelle wie Ernst Bloch, Lion Feucht- wanger, Frédéric Joliot-Curie und Manès Sperber in den Bann gezogen wurden. Reinhard Federmann hat darauf hingewiesen, dass „der Intellektuelle ein höchst verdächtiges Individuum“ geworden wäre, „seitdem sich totalitäre Sys- teme etabliert“ hätten: Wenn er abseits steht und schweigt, ist er verdächtig. Wenn er mitmacht und heimlich anders gedacht hat, ist er verdächtig. Wenn er mitmacht und niemals an- ders gedacht hat, ist er auch verdächtig, und der Apparatschik muß ihn besonders genau prüfen und überwachen, er hält ihn von vornherein für einen unsicheren Kantonisten, von dem man nie weiß, was ihm morgen einfallen wird.80 76 Torberg zog auch gegen Hans Werner Richter und die „Gruppe 47“ zu Felde und äußerte sich gegenüber Hermann Kesten in einem Brief folgendermaßen über den Publizisten Erich Kuby: „Insgesamt halte ich ihn für ein besonders mieses Exemplar jener bundesdeutschen Linksin- tellektuellen, deren übrige Repräsentanten – die Hans Werner Richter und Heinz von Cramer, [Günther] Anders und [Alfred] Andersch, die [Hans Magnus] Enzensberger und [Martin] Walser, die [Wolfgang] Koeppen und [Peter] Rühmkorf und wie all diese Koexistenzler, Atom- protestierer und Fellowtraveller sonst noch heißen mögen – in Ihren unverdrossenen Aufzäh- lungen immer wieder als ‚Humanisten‘ und ‚Moralisten‘ gepriesen werden.“ Friedrich Torberg an Hermann Kesten, 16.12.1961, zit. n. Tichy: Friedrich Torberg, S.  200. 77 Vgl. Caute: The Fellow-Travellers, S. 3. 78 Silone: Über die Verantwortung des Schriftstellers, S. 265. 79 Ebd., S. 268. 80 Reinhard Federmann: Verdächtige Subjekte. In: Kontakte. Mitteilungen vom Kongress für die Freiheit der Kultur  3 (1953) H.  4, S.  12–13, hier S.  12. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 162 4 Totalitarismus: die innere Geschichte des Kalten Krieges
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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