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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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bürgerlichen Herkunft bis hin zu wesentlichen Charakterzügen, von der Aneig- nung der kommunistischen Ideologie in Jugendtagen bis hin zur Karriere eines stalinistischen Funktionärs sowie dem Prozess und der Hinrichtung hat Wechs- berg die Biographie seines Mitschülers zur Vorlage genommen: „During the tri- al, the Prague radio every evening broadcasts a commentary, interspersed with playbacks of tape recordings from the courtroom where no Western observer or correspondent was admitted. […] You could hear, for the last time, the mono- tonous voice of Bedrich Geminder, a dead voice already, making abject confes- sions and asking for ‚severe‘ punishment.“90 Die Selbstanklage ist für Geminder ebenso wie Stern die letzte Station des Dienstes am Kommunismus, den sowohl das historische Vorbild als auch die literarische Figur mit dem Leben bezahlen müssen. Der letzte Bericht, den Wil- lert über Stern liest, lautet: „28.  September (Associated Press). Bruno Stern, der frühere kommunistische Machthaber, der nach neuntägigem Prozeß vor dem Staats- gerichtshof zum Tode verurteilt worden war, wurde in den heutigen frühen Mor- genstunden im Staatsgefängnis gehenkt.“ (ST 287). Der Intellektuelle als Denunziant Dass der Intellektuelle zur Denunziation neigt, ist ein Topos, den Reinhard Federmann in Das Himmelreich der Lügner anhand der Figur von Paul Heller gestaltet. Federmann, der darauf hinwies, dass er sich „viel Mühe mit den zahl- reichen vorhandenen Quellen“91 für seinen zeitgeschichtlichen Roman gemacht habe,92 führt eine Reihe von Figuren ein, die Ähnlichkeiten mit historischen Akteuren aufweisen, wobei vor allem die Figur Heller hervorsticht, der im Gegen- satz zum Protagonisten Bruno Schindler, die Chance innerhalb des totalitären System zum Funktionär aufzusteigen, ergreift. In einem Brief an Hans Weigel erklärt Federmann die ideologisch-politische Entwicklung seiner Hauptfigur. Schindler sei spätestens ab August 1939, also dem Nichtangriffspakt zwischen Hitler und Stalin, kein Kommunist mehr. Der Angriff der Wehrmacht auf die Sowjetunion im Jahr 1941 lässt ihn dann zwar an der Seite der Roten Armee gegen Hitler kämpfen, „aber [er] ist deshalb kein Kommunist“, sondern die Kom- munisten wären „nun auf seine Seite getreten, und das nicht freiwillig, sondern infolge der begrüßenswerten Idiotie Hitlers“: 90 Ebd., S. 22. 91 N.N.: Ich sage die Wahrheit. In: Wochen-Presse, 19.12.1959. 92 So griff er etwa um die Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie darzustellen u.a. auf folgendes Buch zurück: Josef Buttinger: Am Beispiel Österreich. Ein geschichtlicher Beitrag zur Krise der sozialistischen Bewegung. Köln: Verl. für Politik u. Wirtschaft 1953. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 168 4 Totalitarismus: die innere Geschichte des Kalten Krieges
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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