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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 169 -
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Ich hoffe, ich habe deutlich gemacht, daß sein Antikommunismus im Augenblick seines engsten Kontakts mit den Kommunisten am heftigsten ist, daß er abflaut, je weiter er sich von den Kommunisten entfernt, und je besser er seine neuen Mit- kämpfer, deren Antikommunismus zum Teil von recht obskuren Quellen genährt wird, kennenlernt, und daß ihm erst wieder 1956 in Wien ad oculos demonstriert wird, wieviel es geschlagen hat.93 Dem von den Verhältnissen in der Sowjetunion und seinen Erfahrungen mit dem totalitären System desillusionierten Schindler tritt die Figur des Paul Hel- ler entgegen, der in der jungen österreichischen Sozialdemokratie „als Prophet anerkannt“ (HL 45) wurde und ebenfalls 1934 zum Kommunismus konvertier- te. Heller verfügt im sowjetischen Exil über ein undurchsichtiges Netzwerk an Kontakten und hat keine Probleme, sich den jeweiligen Direktiven der Partei- führung zu fügen. So entwickelt er sich zum Stalinisten, der auch nicht davor zurückschreckt, andere „Schutzbündler“ zu denunzieren. Auffällig sind hier die Parallelen zum kommunistischen Autor und Politiker Ernst Fischer, die auch von zeitgenössischen Rezensenten erkannt wurden.94 Fischer war 1927 bis 1934 Redakteur der sozialdemokratischen Arbeiterzeitung und emigrierte nach der Niederlage der österreichischen Sozialdemokratie am 12.  Februar 1934 über Prag in die Sowjetunion. Enttäuscht von der Sozialdemokratie wird er Kommu- nist. In einem undatierten Text über seinen Beitritt zur KPÖ schreibt er, – wohl auch aus Gründen der retrospektiven Rechtfertigung –, dass die Demokratie zu schwach gewesen sei, um den Faschismus aufzuhalten. Seiner damaligen Ansicht nach konnte nur die Sowjetunion das „Dritte Reich“ besiegen: Wenn man Hitler schlagen will, muß man hart sein wie Stalin, sagte ich mir. […] Ich war entschlossen, nicht mehr Ich zu sein, nur mehr Funktionär der Sache, die stärker sein wird als Hitler, mit Opfern unerhört. Ich wurde zum Funktionär, nicht ganz, der kritische Intellekt war nicht ganz zu liquidieren […]. Ich zwang mich, ein Stalinist zu sein, und schließlich gelang es mir, und daß es gelang, wenn auch nicht ganz, hielt ich für lobenswert.95 93 Brief von Reinhard Federmann an Hans Weigel, 3.8.1959, Wienbibliothek im Rathaus, Nach- lass Hans Weigel, ZPH  847, Archivbox  8. 94 „Von verschiedenen Romanfiguren glauben milieuvertraute Wiener die lebenden Vorbilder zu kennen, vom kommunistischen Exnationalrat Ernst Fischer bis zum einstigen Wiener Presse- chef des französischen Hochkommissars Mejer.“ Federmann war jedoch nicht daran gelegen, einen „Schlüsselroman“ zu verfassen. Vgl. N.N.: Ich sage die Wahrheit. In: Wochen-Presse, 19.12.1959. 95 Ernst Fischer: Metamorphosen. In: Bernhard Fetz (Hg.): Ernst Fischer. Texte und Materialien. Wien: Sonderzahl 2000, S.  33–36, hier S.  33  f. Der Intellektuelle und der Totalitarismus 169
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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