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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 170 -
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Kaum verschlüsselt als „F.“ hat Elias Canetti, der selbst für kurze Zeit mit dem Kommunismus sympathisierte, im dritten Teil seiner Autobiographie Das Augen- spiel die Wandlungsfähigkeit seines Freundes Fischers folgendermaßen beschrie- ben: „Bei diesem hatten Worte keinen unantastbaren Sinn, da wurden sie um und um gewendet und dienten der Verführung. Da hieß es so und wieder anders, das konnte sich im Lauf von Stunden ändern und dabei ging es um scheinbar so hartnäckige Dinge wie Überzeugungen.“96 Heller ist, ebenso wie Fischer, zunächst Kulturredakteur einer sozialistischen Zeitung in Wien und bezeichnet sich selbst als „verlorener Sohn der Literatur“, seitdem ihn „die Kulturpolitik in den Klauen hält“ (HL 129). Gemeinsam ist ihnen auch die Faszination für französische symbolische Lyrik wie Arthur Rim- baud oder Lautréamont. Für Schindler ist Hellers politische „Wandlungsfähig- keit“ zunächst unverdächtig und er beneidet ihn darum (HL 273). Heller hilft Schindler in der Sowjetunion politisch Anschluss zu finden und verschafft ihm Arbeit als Redakteur bei einer „Zeitschrift für Literatur und Politik […], die in deutscher Sprache erschien“ (HL 272) und deren stellvertretender Chefredakteur Heller war. Ernst Fischer fungierte von 1938 bis 1943 als Redakteur des deutsch- sprachigen Komintern-Organs Die Kommunistische Internationale. Im gefährlichen Raum der Sowjetunion während der „Säuberungen“ wird Schindler in seinen Gesprächen mit Heller, der ihm zunächst noch als Vertrau- ensperson gilt, zunehmend vorsichtiger, insbesondere nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938, wo ihre beiden „Meinungen auseinandergingen“, was sich Schindler angesichts der strikten Parteilinie eigentlich nicht erlauben durf- te. In Hellers Augen ist „Hitlers Einmarsch in Österreich ein Fortschritt“ und er nennt die Annexion Österreichs die „gerechte Strafe für die Austrofaschisten, die jetzt endlich am eigenen Leib erfuhren, was Willkür bedeutete“ (HL 293). Auch der Hitler-Stalin-Pakt, den Schindler als „ein Unglück“ (HL 297) ansieht, führt zu einer Kontroverse zwischen den beiden Intellektuellen, denn Heller preist „Stalins Weisheit“ und erklärt „in aller Seelenruhe […] es sei ein genialer Gedanke, Hitler und die Westmächte ihren schmutzigen imperialistischen Krieg allein miteinander ausmachen zu lassen“. (ebd.) Dass er von Heller angesichts seiner „Meinungen“, die leicht als Verrat aus- legbar sind, nicht denunziert wird, führt Schindler auch darauf zurück, dass sich dieser durch das Prinzip guilt by association selbst gefährden würde, denn „er war es ja gewesen, der mich den Parteibehörden als treues Gemeindemitglied der unermüdlichen Mitläufer präsentiert hatte“ (HL 294). Während im Roman die von Heller ausgehenden Denunziationen nur angedeutet werden, haben His- toriker nachgewiesen, dass Fischer, wenn auch nur als ein Glied einer langen 96 Elias Canetti: Das Augenspiel. Lebensgeschichte 1931–1937. Frankfurt/M.: S. Fischer 1988, S.  95. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 170 4 Totalitarismus: die innere Geschichte des Kalten Krieges
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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