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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 174 -
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„Free American Citizens“ überwachen, wodurch er unfreiwillig dem Kreml ent- gegenarbeiten würde: „Im fernen Moskau aber reiben sich einige Herren die Hände. Sie sind stolz auf ihren unfreiwilligen Verbündeten und auf seinesglei- chen in aller Welt.“107 Den österreichischen Kommunisten diente das Präfix „Mc“ in McCarthy ins- besondere dazu, dezidierte Antikommunisten mit dem berüchtigten US-Senator gleichzusetzen und ihre Methoden zu kritisieren. Friedrich Torberg, der kurz nach Erscheinen der ersten Ausgabe des Forvms als „McTorberg“ oder ange- sichts seiner antikommunistischen Leseart des Widerstandsdramas Nächte des Zorns von Armand Salacrou, das 1955 im Theater der Courage aufgeführt wur- de, als „McCarthy, der Wiener Theaterkritiker“ bezeichnet wurde, repliziert auf die Namenssatire in den kommunistischen Medien (Österreichische Zeitung, Tagebuch, Volksstimme) mit blankem Hohn auf das „rote Tinterl“: Wir krümmen uns unter der Wucht deiner satirischen Einfälle. Zum Beispiel be- zeichnest du jeden, dem du nicht anders beikommen kannst, als „McCarthy in der Westentasche“ oder stellst seinem Namen einfach ein „Mc“ voran. […] Glaubst du nicht, daß das auf die Dauer ein bisschen fad wird? Komm uns doch endlich einmal mit einem wirklichen Argument! He, heraus, du Ziegenböck! Schneider, Schneider, Mc-Mc-Mc!108 Auch Hannah Arendt war der Ansicht, dass der McCarthyismus totalitäre Ten- denzen zeigen würde, „in dem Versuch, nicht einfach Kommunisten zu verfol- gen, sondern jeden Bürger dazu zu veranlassen, sich als Nichtkommunist aus- zuweisen“.109 Für die Kommunisten war der McCarthyismus ein wesentliches Mittel ihrer antiamerikanischen Propaganda und lud zu Vergleichen zwischen Hitlerdeutschland und Amerika ein.110 Ähnliche totalitäre Ansätze machten sich auch in der Bundesrepublik Deutsch- land bemerkbar. Das 1956 verhängte Verbot der KPD erfolgte auch deswegen, um gegen Personen, die an ihrer kommunistischen Gesinnung festhielten, mit Methoden der „politischen Justiz“ vorzugehen, wodurch der Antikommunismus 107 Ebd., S. 3. 108 Friedrich Torberg: Antworten der Redaktion. In: Forvm 1 (1954) H. 6, Juni, S. 31. 109 Arendt: Elemente und Ursprünge, S. 529. 110 Vgl. N.N.: Der amerikanische Reichstagsbrand. In: Tagebuch 9 (1954) H. 4, 13.2.1954, S.  1  f.: „Was in Amerika seit Jahr und Tag an Gesinnungsterror geschieht, und meist unter dem Namen ,McCarthyismus‘ schlagwortartig zusammengefasst wird, wird in Europa (und erst recht in Österreich) in seiner Bedeutung für den Frieden der Welt verkannt, unterschätzt. […] Der amerikanische Faschismus bahnt sich seinen Weg nicht wesentlich verschieden von der Art, wie sich der deutsche Faschismus an die Macht heranschlich.“ Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 174 4 Totalitarismus: die innere Geschichte des Kalten Krieges
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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