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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 176 -
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jedoch deutlich, dass andere ihn bespitzelt und denunziert haben müssen. So befra- gen ihn die Beamten über sein Verhalten beim „Anschluss“ Österreichs 1938. Zu diesem Zeitpunkt war er erst acht Jahre alt und wurde von seinem Nachbarn Brun- ner, der bereits eine SA-Uniform trug, dazu angehalten, das Geschäftsschaufenster des Juden Selig einzuschlagen. Wehofer erklärt seine Tat den beiden Staatspolizis- ten damit, dass sich Selig „für mich in eine Art Untier“ verwandelte und er ihm „als Bedrohung meines ganzen Lebens“ erschien (BA 38). Auch über sein späteres Engagement in der HJ wissen die Staatspolizisten Bescheid. Wehofer, der vom Hor- den- zum Jungenschaftsführer aufsteigt, denunziert dabei auch andere. Als Ver- teidigung seiner opportunistischen Haltung im „Dritten Reich“ führt er an, dass es ihm „geradezu lächerlich erscheint, wenn sich heute irgendwer noch mit diesen alten Dingen beschäftigt“, wo seiner Ansicht nach die „wirkliche[n] Naziführer und Massenmörder“ (BA 58) von den Geschworenengerichten freigesprochen wer- den. Ein Polizist erklärt Wehofer, dass er wegen seiner Verbindung zur Kommu- nistischen Partei in den ersten Jahren nach 1945 ein „bißl verklampfelt [d.h. verraten, denunziert; Anm. d. Verf.]“ (BA 93) worden sei. Wehofer, der bei Kriegsende aufgrund der vorangegangenen antibolschewistischen Propaganda nur wusste, dass die Russen „unaussprechliche Greueltaten begingen“ (BA 93), schloss sich ohne Umschweife nach der Befreiung Wiens durch die Rote Armee den Kommunisten an: Und so rasch, wie im Jahre 1938 die Hakenkreuzfahnen und die Naziabzeichen aufgetaucht waren, sprossen 1945 auf vielen Rockaufschlägen entweder die rote Nelke der Sozialisten oder Sichel und Hammer der Kommunisten, reckten sich von den meisten Häusern rote Fahnen. (BA 94) Später tritt Wehofer der FÖJ bei, einer Organisation, der auch Ernst Hinterber- ger angehörte, die sich, wie er in seiner Autobiographie erklärt, „als überpartei- lich darzustellen suchte“, jedoch von den Kommunisten abhängig war: […] wir wurden von der KPÖ auch für den eben laufenden Wahlkampf nach Zusammenbruch der Naziherrschaft eingespannt, klebten nächtlich Plakate, be- schmierten Hauswände mit Parolen, hatten Raufereien mit anderen politischen Gruppen, die das Gleiche wie wir taten, um ihrer Partei einen möglichst großen Stimmenanteil zu verschaffen.114 Nicht zuletzt deswegen wurde die FÖJ von der Landessicherheitsdirektion über- wacht.115 Der Wechsel Wehofers von einer totalitären Vereinigung zu einer ande- 114 Ernst Hinterberger: Ein Abschied. Lebenserinnerungen. Wien: Ueberreuter 2002, S. 36. 115 Kurt Tweraser: US-Militärregierung in Oberösterreich. Amerikanische Industriepolitik in Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 176 4 Totalitarismus: die innere Geschichte des Kalten Krieges
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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