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Weltkrieg literarisch beschreibt. Die dem Totalitarismus inhärente Destrukti-
onskraft wird in Wenn das der Führer wüßte mittels einer bitteren Satire verdeut-
licht.
Die beiden totalitären Systeme werden in Zuständen dargestellt, in denen sie
ihren Zenit an Macht bereits überschritten haben und von innen heraus zerfal-
len. Der Kollaps des Nationalsozialismus durch zwei in Streit stehende Bewe-
gungen im Inneren sowie die Bedrohung durch einen asiatischen Angriff mit
Atombomben bei Basil korrespondiert bei Kuehnelt-Leddihn mit dem Sieg der
USA über die Sowjetunion, jedoch ohne sich dabei der destruktiven Phantasie
eines nuklearen Erstschlags zu bedienen, wie das in vielen zeitgenössischen Dys-
topien imaginiert wurde. In der beliebten amerikanischen Zeitschrift Collier’s
etwa wurde in der Ausgabe von Oktober 1951 der dritte Weltkrieg als „Vorschau
auf den Krieg, den wir nicht wollen – Russlands Niederlage und Besetzung,
1952–1960“ in Form von fiktiven Reportagen heraufbeschworen. Stalins Agen-
ten zünden mitten in New York City eine Bombe, woraufhin die USA „Opera-
tion Eggnog“ starten und Atombomben über der Sowjetunion abwerfen. Die
Verfasser der Reportagen bringen ihre Ängste zum Ausdruck und weben in die
Texte Monologe über die Wesensverwandtschaft von Totalitarismus und Krieg
ein.126
126 Vgl. Bernd Greiner: Angst im Kalten Krieg. Bilanz und Ausblick. In: Ders., Christian
Th. Mül-
Erik von Kuehnelt-Leddihn: Moskau
1997. Zürich: Thomas-Verlag 1949,
Buchcover.
Das totalitäre System in Dystopien österreichischer Schriftsteller 181
Diskurse des Kalten Krieges
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Titel
- Diskurse des Kalten Krieges
- Untertitel
- Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2017
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20380-3
- Abmessungen
- 15.9 x 24.0 cm
- Seiten
- 742
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918