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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 187 -
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5 MATERIALISMUS VERSUS CHRISTENTUM Der Kampf zwischen Kommunismus und Demokratie, zwischen dem Imperialismus Sowjetrußlands und den Föderationen der freien Völker, zwischen der Religion des atheistischen Materialismus und dem Geist christlicher Liebe und Humanität wird als ‚kalter Krieg‘ bezeichnet. [...] Wie sich der Kampf des Kommunismus auf geistigem Gebiet in erster Linie gegen die Religion, wie sich der Terror des totalitären Systems in seinen Randgebieten vorwiegend gegen die christlichen Kirchen und insbesondere wieder gegen die katholische Kirche richtet, so tritt auf der anderen Seite der Front neben den vielen geistigen Mächten, die sich zum Kampf für die Freiheit vereinigt haben, das Christentum, repräsentiert durch die großen christlichen Kirchen, immer stärker in Erscheinung.1 Das Dreieck Kommunismus, Amerikanismus, Katholizismus Die zitierte Charakterisierung des Kalten Krieges durch den Historiker Emil Franzel aus dem Jahr 1951 mag zunächst verwundern: Nicht der ‚freie Westen‘, nicht die USA und ihre politischen Bündnispartner werden als Gegner der Sow- jetunion aufgestellt, sondern das Christentum. Der Gegensatz von Materialis- mus und Spiritualität nimmt im Diskurs des Kalten Krieges eine strukturieren- de Funktion ein. Von Mai bis Juli 1950 publizierte die kommunistische Zeitschrift Tagebuch eine Debatte zum Thema „Materialismus oder Idealismus?“ Einlei- tend heißt es dort: Das Bekenntnis der Kommunisten zur materialistischen Weltauffassung stellt für überzeugte Christen oder gefestigte Anhänger idealistischer Weltanschauungen nicht selten ein ernstes Hindernis dar, sich der Friedensbewegung anzuschlie- ßen. Für diese und ähnliche Bedenken ist die Stellungnahme Dr.  Otto Hellriegls, Bad Hall i.  T., charakteristisch [...]: ‚Soll der Krieg vermieden werden, so muß der Materialismus des Wirkens über- wunden werden. Zu dieser Überwindung kann aber ein Idealismus der Anschau- ung führen. Von welcher Seite kann nun die Menschheit diesen Idealismus sich erhoffen? Vom kapitalistischen Amerika, von der dort herrschenden Hochfi- nanz? Aber von dort ist doch der Materialismus der Gesinnung in absoluter Voll- 1 Emil Franzel: Geschichte unserer Zeit 1870–1950. München: Oldenbourg 1951, S.  443  f.
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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