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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Seite - 189 -
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einer materiellen, aber auch durch Elektrizität und Chemie geprägten Welt im Nervensystem höherer Lebewesen entwickelt habe, eine qualitative Sonderstel- lung einräume.6 Es lässt sich vermuten, dass diese Erklärung den Katholiken Hellriegel nicht für den Marxismus begeistern konnte. Die Diskussion weist aber auf eine wichtige Konstellation des Kalten Krieges in Österreich hin: Die beiden großen politischen Komplexe mit ihren assoziierten wirtschaftlichen und poli- tischen Systemen haben es hier mit einem dritten mächtigen und traditionsrei- chen Pol zu tun, dem – zumeist katholischen – Christentum. Die Beziehungen innerhalb dieses Dreiecks sind vielschichtig, im Folgenden sollen einige für Österreich zentrale Positionen skizziert werden. So wird in den zeitgenössischen Diskursen zu Politik und Religion nicht nur eine Verbindung zwischen den bei- den Großmächten des Kalten Krieges über die Achse des Materialismus gezogen (wie von Hellriegl), sondern auch eine Verbindung zwischen der katholischen Kir- che und dem Sowjetregime über die Achse des Dogmatismus, der bisweilen mit dem Totalitarismusbegriff verbunden wird. Das wird deutlich, wenn der katholi- sche und pazifistische österreichische Autor und Publizist Friedrich Heer schreibt: „Die Dogmatisierung, die Ausbildung der marxistischen totalitären Heilskirche beginnt mit Marx und Engels selbst. Das ist eine bittere Wahrheit.“7 Er vergleicht weiter den Marxismus mit einer dogmatischen manichäischen Weltanschauung, welche die christliche Kirche in Europa im Laufe ihrer Geschichte selbst nie über- wunden habe.8 Nur eine undogmatische, für das ‚Andere‘ oder sogar für den ‚Feind‘9 offene Haltung könne sich aus dem Dunstkreis des Totalitarismus entfernen. Dazu seien aber nicht nur Christentum und Kommunismus selten bereit, auch Friedrich Torbergs Forvm lehnt Heers Konzept ab, indem es dessen Beitrag mit einem Zitat des spanischen Journalisten und Historikers Salvador de Madariaga kommentiert: „Solange der Westen zerrissen und anfällig für Schlagwörter, für Ost-West-Handel und ‚Gespräche‘ ist, arbeitet die Zeit für die Sowjetunion, und in ein paar Jahren kann der Kalte Krieg verloren sein  ...“10 Der Dogmatismus verband, oder besser gesagt, trennte also verschiedenste politische und religiöse Positionen. Rudolf Henz, katholischer Autor, Präsident der Katholischen Aktion und Direktor des österreichischen Radiosenders RAVAG, dementierte hingegen den terbuch der Philosophie. 13  Bde. Basel: Schwabe 1971–2007, Bd.  5, L-Mn. Basel: Schwabe 1980, S.  851–854. 6 Vgl. Hans Grümm: [Beitrag im Rahmen von: T[age]B[uch] diskutiert: Materialismus oder Ide- alismus?] In: Tagebuch  5 (1950) H.  15, 22.7.1950, S.  4. 7 Friedrich Heer: Das Kommunistische Manifest als religiöses Dokument. In: Forvm 1 (1954) H.  4, S.  8–10, hier S.  10. 8 Vgl. ebd., S. 9. 9 Vgl. Friedrich Heer: Gespräch der Feinde. Wien, Zürich: Europa 1949. Der Titel wurde zu einem Schlagwort für Heers Position zum Kalten Krieg. 10 N.N.: Zum Thema ‚Gespräch mit dem Feind‘. In: Forvm 1 (1954) H. 4, April, S. 10. Das Dreieck Kommunismus, Amerikanismus, Katholizismus 189
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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