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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Mit Hannah Arendt könnte man hier von einem Konzept „totaler Herrschaft“ sprechen, die das Lager als Kern und Inbegriff ihrer Machtausübung versteht, ein Thema heftiger ideologischer Debatten im Kalten Krieg (vgl. dazu Kapitel  6: Österreichische Gulag-Literatur). Dabei steht für Heer nicht der Gegensatz unter- schiedlicher politischer und wirtschaftlicher Systeme im Zentrum, sondern der Gegensatz von Materie (Beherrschung) und Geist (Entscheidung zur Selbstlo- sigkeit). Es sei „immer [...] der Geist“, der vor einer Entwicklung schützt, die „gigantische Experimente, mit dem edelsten und wohlfeilsten Material, mit dem Menschen“ anstellt. 64 Die atheistische und materialistische Moderne wird hier als Grundlage der terroristischen Praxis konzipiert und nicht einfach einer Seite des Kalten Krie- ges zugeschrieben, sondern von einem dritten Standpunkt aus bewertet: dem christlichen. Auch im Roman Der achte Tag entsteht innerhalb der feindseligen Lebenswelt des totalitären Regimes eine Bewegung, die durch christliche Werte wie Bescheidenheit und Nächstenliebe eine gegenläufige Lebenspraxis umsetzt. Die vom Regime getöteten Mitglieder dieser Untergrundkirche können als Mär- tyrer verstanden werden. Der Diskurs, der Materialismus und Christentum als Gegner behandelt, wur- de von den Zeitgenossen durchaus wahrgenommen. Eine Rezension in den Salzburger Nachrichten sieht den Grundkonflikt des Romans in der Kon- zentration der dargestellten Gesellschaft auf ‚äußere‘, machtpolitische Belange und eine dementsprechende Vernachlässigung ‚innerer‘, seelischer Defizite: Worin sieht Gohde [d. i. Heer; d. Verf.], aufs Äußerste vereinfacht, die Gefahr einer Zerstörung der Substanz [der christlichen Gesellschaft]? Vor allem in dem Versuch, eine innere, also seelische Zeitkrise durch die äußeren Mittel der Macht- politik zu lösen. Er läßt daher die Kirche in der letzten Phase sich mit dem Symbol der äußeren Macht, der Atombombe, verbinden.65 Die Atombombe als prägnantestes Symbol der Machtpolitik im Kalten Krieg wird von Heer häufig erwähnt und indiziert seine auch westkritische Haltung: „Man schielt in Rom [...] auf die Atombombe und spricht vom Frieden. [...] Die Rechnung: weltkluge Diplomatie plus Staatsverträge, mal x Divisionen, plus geis- tige Systeme, mal Atombombe – sie geht nicht auf.“66 64 [Heer:] Tat und Technik des Terrors, S. 1. 65 H. M. Waasen: Das Buch des Monats: Der achte Tag. In: Salzburger Nachrichten, 7.7.1950, S.  4. 66 Friedrich Heer an Karl Rahner, Brief vom 3.12.1949. Österreichische Nationalbibliothek Wien, Nachlass Friedrich Heer, Sign.: 188/B12. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 206 5 Materialismus versus Christentum
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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