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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Mit seiner Kritik an der katholischen Kirche, am Bündnis von US-Politik und Kirche, an der menschenverachtenden Lagerwelt in der Sowjetunion68 und des Nationalsozialismus eckt Heer rundherum an.69 Ein Rezensent charakterisiert die Darstellung des Staates in Der achte Tag, in dem die totalitäre Regierung „noch allmächtiger als Gott“ ist, als „Schau eines Zukunftslandes, wo moskowi- tische, hitlerische und amerikanische Zukunftsmöglichkeiten zu Ende geträumt sind“.70 Im kommunistischen Tagebuch wird die antikollektivistische, antima- terialistische Haltung des Romans angeprangert, die behauptet, „durch die berühmte ‚Läuterung‘ des einzelnen wäre die Welt zu erlösen“71 und die dem „wissenschaftlichen“ Zeitalter teuflische Eigenschaften unterstellt. Aber auch der antikommunistische Katholik Ignaz Zangerle kritisiert Heer als „Spiritualist“, der durch seine Verdammung aller weltlichen Mächte die Christen entmutige und dessen Roman unrealistisch wäre: „Deine ‚Heiligen der vorletzten Tage‘ sind auch in Zukunft nicht realisierbar.“72 Heers Bedrängnis von dieser Seite wird in einem Brief an den westdeutschen Autor Reinhold Schneider deutlich: Stehe jetzt im Kampf um meine Haut. Von links und rechts, von oben bis un- ten wirft man mir vor, dass ich durch meine ‚Romantizismen‘, Eschatologien etc. die Furche bolschewisiere. Seit ein führender roter Prälat [hs. angefügt: „diese Funktionäre gleichen sich sehr“], der Chefredakteur der Wiener Arbeiterzeitung [Oscar Pollak; d. Verf.], vor Weihnachten, den Kampf gegen mich eröffnet hat, kommt es nicht mehr zur Ruhe. Mein Chef [Friedrich Funder] hat einen schweren 68 Vgl. dazu auch die Diskussion zwischen Ernst Fischer und Friedrich Heer im Tagebuch und in Die österreichische Furche: Friedrich Heer: Die Welt ohne Fenster. In: Die österrei- chische Furche  5 (1949) H.  49, 3.12.1949, S.  3. Ernst Fischer: T[age]B[uch] diskutiert: Spre- chen wir von den Konzentrationslagern! In: Tagebuch  5 (1950) H.  2, 19.1.1950, S.  4. Franz Kittel: TB diskutiert: Sprechen wir von den Konzentrationslagern! Antwort an Ernst Fischer. In: Tagebuch  5 (1950) H.  3, 4.2.1950, S.  4. Gustav Wegerer: T[age]B[uch] diskutiert: Sprechen wir von den Konzentrationslagern! Probst Grüber gegen Kogon und Rousset. In: Tagebuch  5 (1950) H.  3, 4.2.1950, S.  4. Friedrich Heer: Das Heil aus den Lagern? Ernst Fischer: T[age] B[uch] diskutiert: Arbeitslager ohne Mythologie. Antwort an Dr. Friedrich Heer. In: Tage- buch  5 (1950) H.  4, 18.2.1950, S.  4. Kurt Dichtl: T[age]B[uch] diskutiert: Lieber Freund Kittel! In: Tagebuch  5 (1950) H.  4, 18.2.1950, S.  4. 69 Zur Rezeption von Der achte Tag allgemein vgl. Dennis Lewandowski: Friedrich Heers utopi- scher Roman Der achte Tag (1950) im frühen Presseecho. In: Mitteilungen aus dem Brenner-Ar- chiv 30/2011. Innsbruck: Innsbruck Univ. Press 2011, S.  97–107. http://www.uibk.ac.at/bren- ner-archiv/mitteilungen/links/miba_30_2011.pdf, [zuletzt aufgerufen 29.9.2015]. 70 Georg Wolf: Heile und unheile Welt. Gedanken zu zwei Romanen. In: Stimmen der Zeit. Katholische Monatsschrift für das Geistesleben der Gegenwart (1950) Bd.  148, S.  469  f., hier S.  469. 71 Rathsprecher: Die Antwort. Literarische Angstträume, S. 3. 72 Ignaz Zangerle: Ebenso offen? Eine Antwort. In: Der Volksbote. Unabhängige österrei- chische Wochenzeitung  50 (1950) H.  38, 24.9.1950, S.  5. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 208 5 Materialismus versus Christentum
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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