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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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einer katholisch inspirierten, bürgerlich-humanistischen Traditionslinie, in der Kühnelt zu verorten ist, wird hingegen in Automationsprozessen eine Gefahr für die geistige Freiheit vermutet. Eben diese Unterscheidung trennt auch die westorientierte Sozialdemokratische Partei vom kommunistischen Lager. So spricht die Arbeiter-Zeitung „nicht nur materielle Seiten“88 an: Aber die Arbeiterbewegung hätte den Arbeiter vergeblich aus den Fesseln über- langer Arbeitszeit befreit, wenn ihn geist- und seelenloser Vergnügungskonsum aufs neue versklaven. Der Sozialismus, und nur er, ist auch die Voraussetzung, den arbeitenden Menschen emporzuführen zu geistiger und sittlicher Höhe, [...] Wir müssen willens sein, das Diesseits, die irdische Welt umzuformen bevor es in der Nacht der Herrschaft seelenloser Materie versinkt, beherrscht von Robotern in Maschinen- und Menschengestalt. Eine solche Welt hätte keinen Platz für Altäre, selbst nicht mehr in der menschlichen Brust.89 Walter Hollitscher nimmt im Tagebuch auf diese Darstellung kritisch Bezug, wobei auf verbesserte Ausbildungsmöglichkeiten sowie die bessere materielle und medizinische Versorgung der Bevölkerung durch die Nutzung technischer Möglichkeiten hingewiesen wird.90 Verbesserungen der materiellen Lebensum- stände gehen aus seiner Sicht zwangsläufig mit geistigen einher, während der sozialdemokratische Standpunkt die Notwendigkeit einer gesonderten sittlichen und geistigen, mit der religiösen Praxis verbundenen Entwicklung betont. Kühnelts Parteinahme für Individualität und Intellektualität in Die Optimis- ten richtet sich gegen ‚Geistlosigkeit‘ und die Auflösung des Individuums in der Masse in einem sehr umfassenden Sinn. So begründet der Direktor die Gefolgs- chaft der Parteimitglieder damit, dass diese Tieren gleichzusetzen wären: DIREKTOR: [...] Wissen Sie, wieso die Schreibmaschine funktioniert? Weil jede Type gleich schmal ist! Weil sich kein Buchstabe vordrängt! [...] Und mehr sind Sie auch nicht. Eine von Millionen Lochkarten für den großen Computer! Vor- programmiert, beobachtet, an der Leine gehalten! Nur eine der vielen Meerkat- zen, die genau wissen, wer ihnen den Freßnapf füllt. (O 72) Die Revolution, die der ‚Mann von oben‘ ins Rollen bringt, verläuft dann nicht so, wie er sie sich gedacht hat. Der Empfangschef des Hotels reißt die Führung an sich, der Direktor wird gestürzt und ein neues Regime wird eingeführt, das verspricht jene Verheißungen eines paradiesischen Lebens wahrzumachen, die 88 Ebd., S. 2. 89 Ebd. 90 Walter Hollitscher: Die vorhersehbare Zukunft. In: Tagebuch 11 (1956) H. 1, 14.1.1956, S. 7  f. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 216 5 Materialismus versus Christentum
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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