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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Die heilige Allianz: Der Westen und das Christentum Christliche, materialismuskritische oder pazifistische Argumentationsweisen konnten wie gezeigt die bipolare Struktur des Kalten Krieges in den Hintergrund treten lassen. Dennoch schlossen sich ein Eintreten für das Christentum und eindeutige Positionierungen im Kalten Krieg keineswegs immer aus. Beide poli- tischen Lager bemühten sich um die Unterstützung durch religiöse Personen und Institutionen,96 welche ihrerseits nicht ohne politische und finanzielle Unter- stützung auskamen, sodass Allianzbildungen für alle Seiten attraktiv waren. Da das Sowjetregime sich betont atheistisch positionierte, lag es für eine westlich orientierte Politik, der an der Mobilisierung antikommunistischer Einstellungen gelegen war, nahe, an christliche Positionen anzuknüpfen. Diese Strategie als Teilaspekt des Kalten Krieges wird erst von der jüngsten Forschung wahrgenom- men.97 Besonders die Kooperation zwischen der offiziellen US-Politik und dem Vatikan wird dabei hervorgehoben. Wie bisher gezeigt, zeigen Texte österreichi- scher Autoren, die christliche Werte geltend machen, häufig eine prinzipielle Distanz zu den beiden konkurrierenden Systemen des Kalten Krieges, wobei ein Unterschied darin besteht, ob die Kritik an der westlichen Welt neben jener am Sowjetregime auch explizit wird oder nicht. Antikommunistische Wandlung zum Katholizismus – Felix Gamillscheg: Die Getäuschten (1961) Eine explizite Parteinahme für den Westen aus christlicher Perspektive findet sich in dem Roman Die Getäuschten (1961) des österreichischen Autors und Pub- lizisten Felix Gamillscheg.98 Gamillscheg ist als Chefredakteur der „Kathpress“, des „Informationsdienstes für Bildungspolitik und Forschung“ sowie der katho- lischen Wochenzeitung Die Furche mit den Entwicklungen der katholischen 96 Von 7 Mio. Menschen sehen sich in Österreich 1951 6 Mio. als röm.-kath. Der Einfluss der Kirche wurde auch durch finanzielle Mittel begründet. Vgl. Rathkolb: Die katholische Kirche, S.  15 u. 18. 97 Peter C. Kent: The Lonely Cold War of Pope Pius XII. The Roman Catholic Church and the division of Europe, 1943–1950. Montréal/Kingston, London, Ithaca: McGill-Queen’s Univ. Press 2002. Kirby: Religion and the Cold War. Joachim Garstecki (Hg.): Die Ökumene und der Wider- stand gegen Diktaturen. Nationalsozialismus und Kommunismus als Herausforderung an die Kirchen. Stuttgart: Kohlhammer 2007. William Inboden: Religion and American foreign policy, 1945–1960. The soul of containment. Cambridge: Cambridge Univ. Press 2010. Philip Mueh- lenbeck (Hg.): Religion and the Cold War. A Global Perspective. Nashville: Vanderbilt Univ. Press 2012. Daniel Gerster: Friedensdialoge im Kalten Krieg. Eine Geschichte der Katholiken in der Bundesrepublik 1957–1983. Frankfurt/M.: Campus 2012. 98 Felix Gamillscheg: Die Getäuschten. Roman einer Gefangenschaft. Graz, Wien, Köln: Styria 1961 [im Folgenden abgek. GT]. Die heilige Allianz: Der Westen und das Christentum 221
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
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