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Nach 1918
Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Die materielle Notlage im Kriegsgefangenenlager erscheint im Kontrast dazu als Resultat des Atheismus: „Der Mann stand auf. Er bekreuzte sich vor der Ikone und schenkte die Teller voll. Die Frau legte jedem einen flachen Brotfladen hin und stellte wieder einen Teller Gurken auf den Tisch. ‚Na sdorovije‘, sagte der Mann. ‚Mahlzeit!‘ dankte Jellinek auf deutsch.“ (GT 154) Über die Brücke des Christentums wird hier ein Konsens zwischen Österreich und Russland angedeutet. Ein Rezensent in der Furche sieht in der Hinwen- dung des Protagonisten zum Glauben zugleich eine Bekehrung vom national- sozialistischen Gedankengut: „Er [Gamillscheg] beschreibt den Weg eines jun- gen Österreichers, der am Kriegsende in sowjetische Gefangenschaft gerät und erst jetzt das Wesen des Nationalsozialismus durchschaut (und die ersten Schrit- te zu christlichen Überzeugungen vollzieht).“104 Damit wird deutlich, dass die christliche Religion, die einem primär materiell bestimmten Leben entgegen- steht, sowohl gegen den Nationalsozialismus als auch den atheistischen Kom- munismus positioniert werden konnte. Die verarbeitbare Materie Mensch – Erik von Kuehnelt-Leddihn: Moskau 1997 Von den untersuchten Texten übt der dystopische Roman Moskau 1997 (1949)105 des österreichischen Autors und Publizisten Erik von Kuehnelt-Leddihn die expli- ziteste Materialismuskritik.106 Der Schauplatz des Romans ist die „Teufelsdomä- ne“107 Sowjetunion, deren Machtgebiet sich mittlerweile über fast ganz Westeu- ropa erstreckt und die als totalitärer, (vgl. Kapitel 4) unmenschlicher und atheistischer Staat beschrieben wird. Dagegen fällt Amerika als Gegenspieler der Sowjetunion durch exaltiertes Christentum auf: „Seitdem die Kommunisten die Herren Europas mit Ausnahme von England und der iberischen Halbinsel gewor- den waren, schien das Schwergewicht des Christentums auf den pazifischen Raum übergegangen zu sein.“ (M 10) Auch der Vatikan ist in die USA übersiedelt. 104 Hellmut Butterweck: Getäuschte. In: Die Furche 36 (1980) H. 22, 28.5.1980, S. 20. 105 Bereits 1940 erscheint von Erik und Christiane v. Kuehnelt-Leddihn ein englischsprachiger Roman mit dem Titel Moscow 1979 bei Sheet & Ward in London. Kuehnelt-Leddihn war zwi- schen 1939 und 1945 im US-amerikanischen Exil. Der Roman wurde 1961 unter dem Titel Der gefallene Engel oder Moskau 1997 wiederaufgelegt. 106 Erik v. Kuehnelt-Leddihn versteht den Marxismus in erster Linie als materialistisch: „Ein ortho- doxer Marxist wird einen antitheistischen Standpunkt einnehmen und auch sein Menschenbild danach einrichten. Der Satz Moleschotts: ‚Der Mensch ist, was er ißt‘ wurde von Feuerbach ent- husiastisch bejaht, und Feuerbach ist schließlich der ‚metaphysische‘ Lehrer von Karl Marx.“ Erik von Kuehnelt-Leddihn: Nur eine Frage des Datums? In: Gerd-Klaus Kaltenbrunner (Hg.): Tragik der Abtrünnigen. Verräter, Ketzer, Deserteure. München: Herder 1980, S.  176–186, hier S.  178. 107 Erik von Kuehnelt-Leddihn: Moskau 1997. Zürich: Thomas-Verlag 1949 [im Folgenden abgek. M], S.  213. Open Access © 2017 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR 224 5 Materialismus versus Christentum
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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