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Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
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Seite - 227 - in Diskurse des Kalten Krieges - Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur

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[…] angefangen vom pünktlichen Gehorsam der Weckuhr gegenüber bis zur Ma- schinenfron in der Fabrik war ihr Dasein ärgste Sklaverei. Früher hatte man sie durch künstliche Unterernährung feig, kriecherisch und entschlußlos gemacht, jetzt aber arbeitete ein ganzer Apparat von Staatsbeamten daran, sie in irrsinnigs- ter Furcht und hoffnungslosester Verzweiflung zu halten. Trotz der Zweizimmer- wohnungen mit Küche und Viertelanteil am Automobil steigerte sich die Anzahl der Selbstmörder und Irren, doch der Nutzen, den der Staat jetzt durch die Ver- arbeitungsanstalten an den Leichen hatte, machte ihn diesem Verlust an Bürgern gegenüber gleichgültig. (M 40  f.) Die antimaterialistische Argumentation in Moskau 1997 unterscheidet sich durch ihre Holzschnitthaftigkeit, ihre drastische Ausdrucksweise und ihre Polemik von anderen zeitgenössischen Romanen, die in die gleiche ideologische Kerbe schla- gen. In einer Rezension im Tagebuch wird Kuehnelt-Leddihns Roman deshalb als „Schmutzprodukt“108 bezeichnet, in dem Menschen „wie es sich für eine ‚materialistische‘ Welt geziemt, zu Häuten, Seife und Dünger verarbeitet“ werden. Das Wort „materialistisch“ wird hier in Anführungszeichen gesetzt, da der Materialismusbegriff von kommunistischer Seite anders konzipiert wird. Die Rückführung sozialer Zustände und Entwicklungen auf als materiell und empirisch zugänglich anerkannte Phänomene geht im marxistischen Verständ- nis keineswegs mit einer Missachtung des ‚Menschen‘ und seiner Bedürfnisse einher. In Texten marxistischer Autorinnen und Autoren findet sich daher eine bedingte oder eingeschränkte Form der Materialismuskritik, die nicht grund- sätzlich gegen die Materie als das andere des Geistes argumentiert, sondern eine humanistische Praxis des Umgangs mit Materiellem, des technischen Fortschritts und der Produktion einfordert. Sie stehen wachsenden technischen Möglichkei- ten positiver und offener gegenüber109 als christliche und konservative Autoren wie Becsi, Kühnelt oder Kuehnelt-Leddihn, die zur Dämonisierung moderner Technik, moderner Massengesellschaften und diesseitig-materialistischer Welt- bilder neigen. Darüber hinaus kommt dem Roman Moskau 1997 eine Sonderstellung inso- fern zu, als es den amerikanischen Raum christlich und damit als positiv besetz- 108 Eduard Rabovsky: Religiöse Tarnung für Pornographie. In: Tagebuch 7 (1952) H. 5, 1.3.1952, S. 3. 109 Der Sowjetkommunismus der 1920er-Jahre ging mit einer Technikbegeisterung einher: „Die Beschwörung der magischen Technologie, die im archaischen russischen Bewusstsein mit Wun- der verbunden wurde, nährte die euphorische sowjetische Vision von der Symbiose zwischen Natur und Technik.“ Oksana Bulgakowa: ‚Wer hat Angst vor  ...?‘ Phobien in amerikanischen und sowjetischen Filmen der 1950er Jahre. In: Greiner, Müller, Walter (Hg.): Angst im Kalten Krieg, S.  347–374., hier S.  361. Die positive Konzeption der Naturwissenschaften kennzeichnet den Marxismus insgesamt. Die heilige Allianz: Der Westen und das Christentum 227
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Diskurse des Kalten Krieges Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Titel
Diskurse des Kalten Krieges
Untertitel
Eine andere österreichische Nachkriegsliteratur
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2017
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20380-3
Abmessungen
15.9 x 24.0 cm
Seiten
742
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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